35,6 Cent pro kWh: Deutschland hat die höchsten Strompreise der G20 – was Ihr jetzt prüfen solltet

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Eine neue internationale Auswertung zeigt einen deutlichen Abstand: Private Haushalte in Deutschland zahlen im G20-Vergleich die höchsten Strompreise. Für das zweite Quartal 2026 kommt Deutschland auf durchschnittlich 35,6 Cent pro Kilowattstunde, während der Durchschnitt der G20-Staaten bei rund 16,3 Cent liegt.

Für Euch ist allerdings ein Punkt besonders wichtig: Die 35,6 Cent sind kein aktueller Einheitspreis für jeden deutschen Stromvertrag. Aktuelle Neukundentarife können deutlich darunter liegen. Wer seinen Vertrag länger nicht geprüft hat, sollte den internationalen Vergleich deshalb vor allem als Anlass verstehen, die eigene Stromrechnung genauer anzuschauen.

Was an den neuen Strompreis-Zahlen wirklich auffällt

Die Analyse stammt vom Vergleichsportal Verivox und basiert auf Daten von Global Petrol Prices. Untersucht wurden 144 Länder mit Datenstand des zweiten Quartals 2026.

Deutschland landet dabei weltweit nicht mehr auf Platz eins, sondern auf Rang vier. Noch teurer war Haushaltsstrom in der Untersuchung in Irland mit 42,6 Cent, auf Bermuda mit 38,8 Cent und in Belgien mit 37,4 Cent pro Kilowattstunde. Innerhalb der G20 liegt Deutschland dagegen weiterhin ganz vorne.

Land Strompreis laut Analyse
Deutschland 35,6 Cent/kWh
Italien 34,5 Cent/kWh
Großbritannien 32,4 Cent/kWh
Frankreich 23,3 Cent/kWh
USA 18,3 Cent/kWh
Kanada 10,6 Cent/kWh

Der G20-Durchschnitt beträgt rund 16,3 Cent pro Kilowattstunde. Damit liegt der deutsche Vergleichswert bei mehr als dem Doppelten.

Weitere Entwicklungen und Sparthemen rund um Elektrizität findet Ihr im Preis-King-Strom-Ratgeber.

Was 35,6 Cent bei einem Haushalt rechnerisch bedeuten

Wie groß der Unterschied ausfallen kann, zeigt eine einfache Modellrechnung. Bei einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden ergeben 35,6 Cent pro Kilowattstunde rechnerisch Stromkosten von 1.424 Euro.

Beim rechnerischen G20-Durchschnitt von 16,3 Cent wären es für dieselbe Strommenge 652 Euro. Die Differenz beträgt damit 772 Euro im Jahr.

Dieser Vergleich dient nur zur Veranschaulichung. Die tatsächliche Stromrechnung hängt unter anderem vom konkreten Tarif, Grundpreis, Wohnort und Verbrauch ab. Auch nationale Steuern, Netzkosten, Fördermechanismen, Wechselkurse und Kaufkraft unterscheiden sich erheblich. Ein internationaler Durchschnitt lässt sich deshalb nicht eins zu eins auf Eure persönliche Stromrechnung übertragen.

Der aktuelle deutsche Tarifmarkt zeigt ein anderes Bild

Besonders wichtig ist die Abgrenzung zu aktuellen Tarifpreisen in Deutschland. Verivox nennt für August 2026 einen durchschnittlichen deutschen Haushaltspreis von rund 31,4 Cent pro Kilowattstunde.

Für Neukunden lag der von Verivox ermittelte Durchschnitt Ende August bei ungefähr 25 Cent pro Kilowattstunde. Dabei geht das Portal von einem Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch aus und berücksichtigt Tarife mit zwölfmonatiger Preisgarantie inklusive Boni.

Die Werte widersprechen sich also nicht zwangsläufig. Der internationale Vergleich verwendet eine eigene Methodik und Datenbasis aus dem zweiten Quartal, während die aktuellen deutschen Tarifwerte einen anderen Marktzeitpunkt und andere Berechnungsbedingungen abbilden.

Genau deshalb solltet Ihr 35,6 Cent nicht automatisch mit Eurem persönlichen Arbeitspreis vergleichen.

Deutschland war vor fünf Jahren sogar weltweiter Spitzenreiter

Ein Blick zurück macht die Entwicklung interessanter. Im Jahr 2021 kostete Strom in Deutschland nach der Verivox-Auswertung durchschnittlich 31,8 Cent pro Kilowattstunde. Damals lag Deutschland weltweit auf Platz eins.

Bis 2026 ist der deutsche Vergleichspreis auf 35,6 Cent gestiegen – ein Plus von rund zwölf Prozent. Gleichzeitig verteuerte sich Strom weltweit noch stärker: Der globale Durchschnitt stieg laut Verivox von 11,62 Cent im Jahr 2021 auf aktuell 15,1 Cent, also um etwa 30 Prozent.

Deutschland ist damit zwar nicht mehr das teuerste Land der Welt, bleibt aber auf einem außergewöhnlich hohen Preisniveau.

Eine frühere Einordnung der Entwicklung findet Ihr auch in unserem Beitrag zu den Strompreisen in Deutschland und ihren Auswirkungen.

Warum Strom in Deutschland so teuer ist

Der hohe deutsche Strompreis lässt sich nicht allein mit den Kosten der eigentlichen Stromerzeugung erklären.

Nach Angaben von Verivox macht die Stromproduktion selbst nur ungefähr ein Drittel des Haushaltspreises aus. Rund zwei Drittel entfallen demnach auf Stromnetzgebühren sowie Steuern, Abgaben und Umlagen.

Das ist für Euch entscheidend: Selbst wenn Strom an den Großhandelsmärkten günstiger wird, muss sich dieser Rückgang nicht im gleichen Verhältnis auf der Haushaltsrechnung bemerkbar machen.

Hinzu kommen Kosten des Energieversorgers für Beschaffung, Vertrieb, Service und weitere Leistungen. Dadurch besteht der Endpreis aus mehreren Komponenten, die sich unterschiedlich entwickeln können.

Gleichzeitig ziehen die Energiepreise in Deutschland wieder an

Die internationale Analyse kommt zudem zu einem Zeitpunkt, an dem Energie auch in den deutschen Inflationsdaten wieder stärker auffällt.

Nach der vorläufigen Schätzung des Statistischen Bundesamtes stiegen die Energiepreise im August 2026 um 10,5 Prozent gegenüber August 2025. Im Juli hatte der Anstieg noch 8,3 Prozent und im Juni 3,4 Prozent betragen. Dabei umfasst die Destatis-Kategorie sowohl Haushaltsenergie als auch Kraftstoffe – sie bedeutet also ausdrücklich nicht, dass sich Euer persönlicher Stromtarif um 10,5 Prozent verteuert hat.

Was hinter den neuen Zahlen steckt, haben wir in unserer aktuellen Einordnung zur Inflation im August 2026 und den gestiegenen Energiepreisen ausführlicher zusammengefasst.

Was Ihr jetzt bei Eurem Stromvertrag prüfen solltet

Der G20-Vergleich allein ist kein Grund für einen überstürzten Anbieterwechsel. Er zeigt aber, wie wichtig es sein kann, einen älteren Tarif regelmäßig mit aktuellen Konditionen zu vergleichen.

Schaut zunächst auf Arbeitspreis und Grundpreis. Ein niedriger Kilowattstundenpreis hilft wenig, wenn gleichzeitig ein sehr hoher jährlicher Grundpreis anfällt.

Prüft außerdem Vertragslaufzeit, Kündigungsfrist und Preisgarantie. Neukundenboni können einen Tarif im ersten Jahr günstiger aussehen lassen, sagen aber allein wenig über die langfristigen Kosten aus.

Aktuelle Strom- und Gasangebote sowie Vergleichsmöglichkeiten bündelt Preis-King in der Übersicht für Strom- und Gasverträge.

Besonders interessant kann ein Vergleich in der Grundversorgung sein

Wenn Ihr Strom über die Grundversorgung bezieht, seid Ihr vergleichsweise flexibel. Laut Bundesnetzagentur könnt Ihr einen Grundversorgungsvertrag als Haushaltskunden jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen. In der Praxis kann der neue Energieanbieter die Formalitäten des Lieferantenwechsels übernehmen.

Ob ein Wechsel tatsächlich günstiger ist, hängt aber von Eurem Wohnort und den verfügbaren Tarifen ab. Vergleicht deshalb immer die Gesamtkosten für Euren eigenen Jahresverbrauch und nicht nur einen beworbenen Bonus oder Arbeitspreis.

Stromverbrauch senken bleibt der zweite Hebel

Neben dem Tarif entscheidet Euer tatsächlicher Verbrauch über die Rechnung. Jede Kilowattstunde, die Ihr dauerhaft nicht benötigt, müsst Ihr auch bei einem günstigeren Vertrag nicht bezahlen.

Vor allem dauerhaft laufende oder häufig genutzte Geräte sind deshalb interessant. Dazu gehören je nach Haushalt etwa Kühl- und Gefriergeräte, Unterhaltungselektronik, Computer, elektrische Warmwasserbereitung oder Klimageräte.

Praktische Ansatzpunkte findet Ihr in unseren 24 Tipps zum Sparen von Gas und Strom.

Wichtig ist dabei, nicht blind funktionierende Geräte auszutauschen. Eine Neuanschaffung verursacht ebenfalls Kosten. Sinnvoller ist es häufig, zunächst den eigenen Verbrauch zu messen und anschließend dort anzusetzen, wo tatsächlich ein hoher Strombedarf entsteht.

Für wen die neuen Zahlen besonders relevant sind

Besonders aufmerksam sollten Haushalte sein, die viel Strom verbrauchen und gleichzeitig einen älteren oder vergleichsweise teuren Vertrag besitzen. Je höher der Jahresverbrauch, desto stärker wirkt sich bereits eine kleine Differenz beim Kilowattstundenpreis aus.

Auch Haushalte mit Elektroauto, Wärmepumpe oder elektrischer Warmwasserbereitung können hohe Strommengen beziehen. Hier solltet Ihr allerdings prüfen, ob spezielle Tarife oder getrennte Messkonzepte gelten – der normale Haushaltsstrompreis ist nicht automatisch der passende Vergleichswert.

Wer allgemein seine laufenden Ausgaben reduzieren möchte, findet weitere Ansätze in unserer Preis-King-Kategorie Geld sparen.

Fazit: Deutschlands Strom bleibt teuer – Euer eigener Tarif muss es aber nicht sein

Die neue Verivox-Analyse zeigt deutlich, wie hoch das deutsche Preisniveau im internationalen Vergleich ist. Mit 35,6 Cent pro Kilowattstunde liegt Deutschland innerhalb der G20 auf Platz eins und mehr als doppelt so hoch wie der G20-Durchschnitt von 16,3 Cent. Weltweit reicht es aktuell für Platz vier.

Für Eure persönliche Stromrechnung ist der internationale Durchschnittswert jedoch nur begrenzt aussagekräftig. Der deutsche Tarifmarkt zeigt aktuell niedrigere Werte: Verivox nennt für August rund 31,4 Cent im Haushaltsdurchschnitt und etwa 25 Cent für Neukunden.

Der größte Vorteil für Euch liegt deshalb in der eigenen Kontrolle: Tarif, Grundpreis, Arbeitspreis und Verbrauch regelmäßig prüfen. Ein Nachteil bleibt, dass internationale Strompreisvergleiche wegen unterschiedlicher Steuern, Netzkosten, Kaufkraft und Marktmodelle nie vollständig eins zu eins vergleichbar sind.

Eure Meinung

Wie viel zahlt Ihr aktuell pro Kilowattstunde? Habt Ihr Euren Stromanbieter in den vergangenen Monaten gewechselt oder bleibt Ihr bewusst bei Eurem bisherigen Tarif? Schreibt uns Eure Erfahrungen und Eure Meinung in die Kommentare.

Quelle: Verivox

Christian Schröder

Christian Schröder

Gründer & Redakteur

Expertise: Deals, Gutscheine, Preisvergleiche, Verbraucher-News, Mobilfunk und Onlinehandel. Christian Schröder prüft Aktionsbedingungen, Vergleichspreise, Versandkosten und mögliche Folgekosten und bereitet relevante Informationen verständlich für Leser auf.

Christian Schröder ist seit 2016 bei Preis-King tätig und schreibt dort täglich über Angebote, Verbraucher-News, Produktrückrufe, Mobilfunk, Technik und aktuelle Entwicklungen im Onlinehandel. Zuvor betreute er bereits weitere Blogs und ist auch heute noch an verschiedenen redaktionellen Projekten beteiligt.

Durch seine Ausbildung zum Immobilienkaufmann verfügt er zusätzlich über Erfahrung in den Bereichen Verträge, Kosten, Finanzierung und wirtschaftliche Zusammenhänge. Bei Preis-King prüft und bewertet er unter anderem Aktionsbedingungen, Vergleichspreise, Versandkosten und mögliche Folgekosten.

Sein Ziel ist es, Informationen verständlich einzuordnen und Leser frühzeitig auf relevante Änderungen, Einschränkungen und mögliche Preisfallen hinzuweisen.

Zuletzt aktualisiert: 01.09.2026
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