Neue Plastiksteuer ab 2027: Warum viele Verpackungen teurer werden könnten

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Beim Einkauf im Supermarkt könnte ab 2027 ein weiterer Kostenfaktor hinzukommen. Union und SPD planen eine neue Plastiksteuer in Deutschland, die Kunststoffverpackungen deutlich verteuern soll. Im Raum stehen 550 Euro je Tonne Kunststoff.

Direkt an der Supermarktkasse zahlen müsst Ihr diese Steuer zwar nicht. Trotzdem könnte sie Euch indirekt treffen: Geben Hersteller oder Händler die zusätzlichen Kosten weiter, könnten Produkte in Plastikflaschen, Bechern, Folien oder Kunststoffschalen teurer werden.

Die geplante Plastiksteuer 2027 soll nach aktuellem Stand zum 1. Juli 2027 starten. Noch handelt es sich allerdings um ein Gesetzesvorhaben – endgültig beschlossen ist die neue Steuer bislang nicht.

Plastiksteuer ab Juli 2027: Das ist geplant

Hinter den Plänen steckt eine neue Verbrauchsteuer auf Kunststoffverpackungen. Nach dem derzeit bekannten Entwurf sollen 550 Euro pro Tonne Kunststoff fällig werden.

Das entspricht:

  • 55 Cent pro Kilogramm Kunststoff
  • 5,5 Cent bei 100 Gramm Kunststoff
  • 2,75 Cent bei 50 Gramm Kunststoff
  • 1,1 Cent bei 20 Gramm Kunststoff

Das klingt bei einer einzelnen Verpackung zunächst nach wenig. Für Unternehmen, die große Mengen Kunststoffverpackungen herstellen oder importieren, können sich daraus allerdings erhebliche zusätzliche Kosten ergeben.

Die Steuer soll grundsätzlich bei der Herstellung, Einfuhr oder dem Verbringen entsprechender Kunststoffverpackungen anfallen.

Für Euch wichtig: Es handelt sich also nicht um eine Steuer, die beim Bezahlen separat auf dem Kassenbon auftaucht.

Welche Verpackungen könnten von der Plastiksteuer betroffen sein?

Die geplante Regelung soll nicht ausschließlich klassische Plastikflaschen betreffen.

Nach den bisherigen Plänen können unter anderem folgende Verpackungsarten unter die neue Steuer fallen:

  • Kunststoffflaschen
  • Kunststoffbecher
  • Kunststoffschalen
  • Folienverpackungen
  • Lebensmittelverpackungen
  • Versandverpackungen aus Kunststoff
  • Verbundverpackungen mit Kunststoffanteil

Bei Verbundverpackungen soll die Steuer nach aktuellem Stand greifen, wenn der Kunststoffanteil mehr als fünf Prozent beträgt.

Damit könnte die Regelung deutlich mehr Produkte betreffen, als Ihr auf den ersten Blick vermuten würdet.

Im Supermarkt findet sich Kunststoff schließlich nicht nur bei Getränkeflaschen. Auch Joghurtbecher, Käseverpackungen, Wurstverpackungen, Tiefkühlprodukte, Süßigkeiten, Obst und Gemüse oder Haushaltsprodukte werden häufig ganz oder teilweise in Kunststoff verpackt.

Passend dazu gelten seit August 2026 bereits neue Verpackungsregeln für Supermärkte und Hersteller. Diese beruhen allerdings auf anderen gesetzlichen Vorgaben und sollten nicht mit der geplanten Plastiksteuer verwechselt werden.

Werden Lebensmittel durch die Plastiksteuer teurer?

Genau das dürfte für die meisten von Euch die entscheidende Frage sein.

Eine automatische Preiserhöhung schreibt die geplante Steuer nicht vor. Unternehmen könnten die zusätzlichen Kosten theoretisch selbst tragen oder durch andere Einsparungen ausgleichen.

In der Praxis besteht jedoch die Möglichkeit, dass zumindest ein Teil der Kosten über die Verkaufspreise weitergegeben wird.

Besonders bei Produkten mit niedrigen Margen können selbst kleine zusätzliche Verpackungskosten eine Rolle spielen. Wie stark sich die Plastiksteuer auf Verbraucher tatsächlich auswirken würde, lässt sich derzeit jedoch nicht seriös vorhersagen.

Ein Beispiel zeigt die Größenordnung:

Enthält eine Verpackung 20 Gramm steuerpflichtigen Kunststoff, entspräche die reine Steuer rechnerisch rund 1,1 Cent.

Bei 50 Gramm Kunststoff wären es rund 2,75 Cent.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass genau dieser Betrag später auf den Verkaufspreis aufgeschlagen wird. Preisgestaltung, Logistik, Mehrwertsteuer, Verpackungsumstellungen und andere Kosten spielen ebenfalls eine Rolle.

Gerade bei Lebensmitteln wäre eine weitere Kostensteigerung für viele Haushalte dennoch unangenehm. Die Lebensmittelpreise in Deutschland sind seit 2020 bereits deutlich gestiegen.

Wer muss die Plastiksteuer bezahlen?

Die Plastiksteuer Deutschland soll nach aktuellem Stand nicht direkt von Euch als Verbraucher erhoben werden.

Steuerpflichtig sollen vielmehr Unternehmen sein, wenn entsprechende Verpackungen:

  • hergestellt,
  • nach Deutschland eingeführt oder
  • aus anderen Ländern nach Deutschland verbracht

werden.

Damit ähnelt das Prinzip anderen Verbrauchsteuern, bei denen die eigentliche Steuer zunächst auf Unternehmensebene anfällt.

Ob und in welchem Umfang Unternehmen diese Kosten anschließend in ihre Verkaufspreise einrechnen, bleibt ihnen überlassen.

Deshalb wäre die Aussage „Jeder Verbraucher muss künftig Plastiksteuer bezahlen“ irreführend.

Treffender ist: Die Steuer trifft zunächst Unternehmen, könnte sich aber indirekt auf Verbraucherpreise auswirken.

Recycelter Kunststoff könnte von der Steuer befreit werden

Ein wichtiger Bestandteil der bisherigen Pläne betrifft Recyclingmaterial.

Für Verpackungen aus recyceltem Kunststoff soll unter bestimmten Voraussetzungen eine Steuerbefreiung möglich sein. Unternehmen könnten dadurch einen zusätzlichen finanziellen Anreiz bekommen, stärker auf Recyclingkunststoff zu setzen.

Genau darin liegt eines der politischen Ziele der neuen Abgabe.

Neuware aus Kunststoff würde finanziell weniger attraktiv, während recyceltes Material begünstigt werden könnte.

Für Hersteller entsteht dadurch möglicherweise ein zusätzlicher Anreiz, Verpackungen:

  • leichter zu machen,
  • den Kunststoffanteil zu reduzieren,
  • vollständig auf Recyclingmaterial umzustellen oder
  • alternative Verpackungsmaterialien zu verwenden.

Langfristig könnten sich dadurch auch Verpackungen verändern, die Ihr täglich im Supermarkt seht.

Warum will die Bundesregierung eine Plastiksteuer einführen?

Bei der geplanten Steuer geht es um zwei Dinge: weniger Kunststoffverbrauch und zusätzliche Einnahmen für den Bundeshaushalt.

Bereits bei den Eckwerten für den Bundeshaushalt 2027 hatte die Bundesregierung angekündigt, eine Plastikabgabe einzuführen.

Mit einer höheren finanziellen Belastung von neu produziertem Kunststoff sollen Unternehmen dazu gebracht werden, Verpackungen sparsamer einzusetzen und häufiger Recyclingmaterial zu verwenden.

Gleichzeitig verspricht sich der Bund erhebliche Einnahmen.

Für das zweite Halbjahr 2027 werden nach den bisherigen Berechnungen rund 805 Millionen Euro zusätzliche Steuereinnahmen erwartet.

Ab 2028 könnten es jährlich knapp 1,5 Milliarden Euro sein.

Damit ist die Plastiksteuer nicht nur eine umweltpolitische Maßnahme, sondern gleichzeitig Teil der Haushaltsplanung.

Die neue Plastiksteuer ist nicht die EU-Plastikabgabe

Hier besteht leicht Verwechslungsgefahr.

Bereits seit 2021 existiert auf europäischer Ebene eine sogenannte EU-Plastikabgabe. Mitgliedstaaten leisten dabei einen Beitrag zum EU-Haushalt, der sich unter anderem nach der Menge nicht recycelter Kunststoffverpackungsabfälle richtet.

Deutschland finanziert diese Belastung bislang aus dem Bundeshaushalt.

Die nun geplante Plastiksteuer ab 2027 wäre dagegen eine nationale Verbrauchsteuer, die unmittelbar an Kunststoffverpackungen beziehungsweise deren Herstellung oder Einfuhr anknüpfen soll.

Es handelt sich also nicht einfach um eine Erhöhung einer bereits an der Ladenkasse bestehenden Plastiksteuer.

Wirtschaft kritisiert die neue Plastiksteuer

Die Pläne stoßen erwartungsgemäß nicht überall auf Zustimmung.

Mehrere Wirtschaftsverbände kritisieren insbesondere zusätzliche Kosten und Bürokratie für Unternehmen. Auch das Verfahren zur Einführung der Steuer sorgt für Diskussionen.

Betroffene Branchen fürchten unter anderem, dass die Belastungen am Ende nicht nur Verpackungshersteller treffen, sondern entlang der gesamten Lieferkette weitergereicht werden könnten.

Damit landet die Debatte zwangsläufig wieder beim Verbraucher.

Wenn beispielsweise Lebensmittelhersteller höhere Verpackungskosten tragen müssen, könnten sie versuchen, diese über höhere Verkaufspreise auszugleichen.

Ob das tatsächlich passiert und wie stark einzelne Produkte betroffen wären, hängt jedoch vom jeweiligen Unternehmen und der verwendeten Verpackung ab.

Plastiksteuer könnte Verpackungen stärker verändern als die Preise

Interessant könnte deshalb ein anderer Effekt werden: Hersteller könnten ihre Verpackungen verändern.

Wenn jedes zusätzliche Gramm Neuplastik Geld kostet, lohnt es sich wirtschaftlich stärker, Material einzusparen.

Denkbar wären beispielsweise:

  • dünnere Kunststoffflaschen
  • leichtere Becher und Schalen
  • weniger Folie
  • kleinere Kunststoffanteile in Verbundverpackungen
  • mehr Recyclingmaterial
  • Umstieg auf andere Verpackungsmaterialien
  • stärkere Nutzung von Mehrwegsystemen

Dieser Umbau hat ohnehin bereits begonnen.

Seit August 2026 gelten in der EU neue Vorgaben für Verpackungen. Weitere Anforderungen an Recyclingfähigkeit, Materialeinsatz und unnötigen Verpackungsleerraum greifen schrittweise in den kommenden Jahren.

Auch beim Thema Mehrweg tut sich einiges. So arbeiten mehrere Lebensmittelhersteller an einem Pfandsystem für Gurken-, Senf- und andere Lebensmittelgläser.

Die geplante Plastiksteuer könnte diesen Trend zusätzlich beschleunigen.

Bedeutet weniger Plastik automatisch Papier und Aluminium?

Nicht unbedingt.

Hersteller könnten zwar versuchen, auf andere Materialien auszuweichen. Ob Papier, Glas oder Aluminium im jeweiligen Produkt tatsächlich ökologischer oder günstiger sind, hängt allerdings von Produktion, Transport, Recycling und Wiederverwendung ab.

Auch Umweltverbände warnen deshalb davor, Kunststoff lediglich durch andere Einwegmaterialien zu ersetzen.

Entscheidend dürfte langfristig sein, insgesamt weniger Verpackungsmaterial einzusetzen und mehr Verpackungen in funktionierende Kreisläufe zurückzuführen.

Für Euch könnte das bedeuten, dass sich Verpackungsgrößen, Materialien und Mehrwegangebote in den kommenden Jahren deutlich stärker verändern als bisher.

Ab wann soll die Plastiksteuer gelten?

Nach aktuellem Planungsstand soll die neue Plastiksteuer zum 1. Juli 2027 starten.

Dieser Termin ist aber noch nicht endgültig.

Das Vorhaben muss das Gesetzgebungsverfahren durchlaufen. Bis dahin können sich sowohl der Starttermin als auch einzelne Regelungen, Ausnahmen oder der Steuersatz noch verändern.

Wer aktuell liest, die Plastiksteuer sei bereits endgültig beschlossen, sollte deshalb vorsichtig sein.

Richtig ist derzeit: Die Einführung wird konkret geplant, aber das Gesetz ist noch nicht abgeschlossen.

Was bedeutet die Plastiksteuer für Euch beim Einkauf?

Kurzfristig zunächst gar nichts.

Aktuell müsst Ihr wegen der geplanten Plastiksteuer weder Verpackungen anders entsorgen noch zusätzliche Gebühren an der Kasse bezahlen.

Sollte die Steuer tatsächlich wie geplant am 1. Juli 2027 starten, werden zunächst Unternehmen betroffen sein.

Danach dürfte sich zeigen, wie Hersteller reagieren.

Manche könnten Verpackungen verändern oder mehr Recyclingkunststoff einsetzen. Andere könnten versuchen, die zusätzlichen Kosten teilweise über höhere Verkaufspreise weiterzugeben.

Gerade bei Produkten, bei denen ohnehin große Mengen Kunststoff eingesetzt werden, lohnt sich deshalb künftig ein genauerer Blick auf Preis und Packungsgröße.

Denn nicht jede Preiserhöhung muss direkt mit der Plastiksteuer zusammenhängen. Auch klassische versteckte Preiserhöhungen durch kleinere Verpackungen bleiben ein Thema. In unserer Übersicht zur Shrinkflation findet Ihr zahlreiche aktuelle Beispiele aus dem Supermarkt.

Das Wichtigste zur Plastiksteuer 2027

Die wichtigsten Punkte könnt Ihr Euch so merken:

Geplanter Start: 1. Juli 2027

Steuersatz: 550 Euro je Tonne Kunststoff beziehungsweise 55 Cent je Kilogramm

Betroffen: unter anderem Kunststoffverpackungen, Folien und bestimmte Verbundverpackungen

Steuerpflichtig: grundsätzlich Unternehmen und nicht Verbraucher direkt

Recyclingkunststoff: soll unter bestimmten Voraussetzungen von der Steuer befreit werden können

Erwartete Staatseinnahmen: rund 805 Millionen Euro im Jahr 2027 und knapp 1,5 Milliarden Euro jährlich ab 2028

Auswirkung auf Verkaufspreise: möglich, aber derzeit nicht seriös bezifferbar

Status: geplant, aber noch nicht endgültig beschlossen

Fazit: Plastiksteuer könnte ab 2027 auch Verbraucher indirekt treffen

Mit der geplanten Plastiksteuer ab 2027 will die Bundesregierung den Einsatz von Kunststoffverpackungen reduzieren und gleichzeitig zusätzliche Einnahmen erzielen. Vorgesehen sind derzeit 550 Euro pro Tonne Kunststoff.

Direkt bezahlen sollt Ihr die Abgabe nicht. Trotzdem könnte sie sich im Alltag bemerkbar machen, wenn Hersteller zusätzliche Verpackungskosten an Händler und Verbraucher weiterreichen.

Noch interessanter dürfte allerdings sein, wie Unternehmen ihre Verpackungen verändern. Weniger Kunststoff, dünnere Verpackungen, mehr Recyclingmaterial und zusätzliche Mehrweglösungen könnten durch die Steuer wirtschaftlich attraktiver werden.

Bis zum geplanten Start am 1. Juli 2027 kann sich am Gesetz allerdings noch einiges ändern. Sobald konkrete Änderungen beschlossen werden, aktualisieren wir den Artikel.

Was haltet Ihr von der geplanten Plastiksteuer? Wäre eine zusätzliche Abgabe für Euch sinnvoll, wenn dadurch tatsächlich weniger Kunststoff verwendet wird – oder befürchtet Ihr vor allem höhere Preise beim Einkauf? Schreibt uns Eure Meinung in die Kommentare.

Quelle

Christian Schröder

Christian Schröder

Gründer & Redakteur

Expertise: Deals, Gutscheine, Preisvergleiche, Verbraucher-News, Mobilfunk und Onlinehandel. Christian Schröder prüft Aktionsbedingungen, Vergleichspreise, Versandkosten und mögliche Folgekosten und bereitet relevante Informationen verständlich für Leser auf.

Christian Schröder ist seit 2016 bei Preis-King tätig und schreibt dort täglich über Angebote, Verbraucher-News, Produktrückrufe, Mobilfunk, Technik und aktuelle Entwicklungen im Onlinehandel. Zuvor betreute er bereits weitere Blogs und ist auch heute noch an verschiedenen redaktionellen Projekten beteiligt.

Durch seine Ausbildung zum Immobilienkaufmann verfügt er zusätzlich über Erfahrung in den Bereichen Verträge, Kosten, Finanzierung und wirtschaftliche Zusammenhänge. Bei Preis-King prüft und bewertet er unter anderem Aktionsbedingungen, Vergleichspreise, Versandkosten und mögliche Folgekosten.

Sein Ziel ist es, Informationen verständlich einzuordnen und Leser frühzeitig auf relevante Änderungen, Einschränkungen und mögliche Preisfallen hinzuweisen.

Zuletzt aktualisiert: 06.10.2026
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