Lebensmittel sind deutlich teurer geworden – und das ist kein kurzfristiger Trend. Wenn ihr beim Einkaufen sparen wollt, landet ihr früher oder später bei Eigenmarken.
Die entscheidende Frage ist: Sind No-Name-Produkte wirklich mit Markenprodukten vergleichbar?
Die ehrliche Antwort lautet: oft ja – aber nicht immer.
Viele Eigenmarken werden tatsächlich in denselben Betrieben produziert wie bekannte Marken. Der Unterschied liegt selten in der Maschine, sondern in den Vorgaben: Zutaten, Rezeptur, Herkunft der Rohstoffe und Preisziel. Genau dort entscheidet sich, ob ihr ein echtes Schnäppchen macht oder nur glaubt zu sparen.
Warum Eigenmarken aktuell so stark im Trend sind
Die Preisentwicklung der letzten Jahre hat das Einkaufsverhalten massiv verändert. Laut Statistisches Bundesamt ist der Verbraucherpreisindex für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke im Jahr 2026 um 38 % gestiegen.
Auffällig ist vor allem der starke Sprung in den Jahren 2022 und 2023. Seitdem bewegen sich die Preise auf einem deutlich höheren Niveau, das sich bislang nicht zurückentwickelt hat. Diese Entwicklung hängt zwar teilweise mit der allgemeinen Inflation zusammen, wird aber auch durch gestiegene Energiepreise, Rohstoffkosten und Transportaufwand beeinflusst.
Eigenmarken gehören für viele inzwischen ganz selbstverständlich zum Einkauf.

Ein voller Einkaufswagen mit Marken- und Eigenmarkenprodukten im direkten Vergleich: Viele No-Name-Produkte sind deutlich günstiger – oft bei ähnlicher Qualität. Bild: KI (Gemini/preis-king.com)
Wer produziert Eigenmarken wirklich?
Viele denken, Eigenmarken kommen von „Billigproduzenten“. In der Praxis produzieren oft dieselben Hersteller wie bei bekannten Marken.
Viele große Hersteller produzieren parallel sowohl ihre eigenen Markenprodukte als auch Eigenmarken für Händler wie Rewe, Lidl oder Aldi.
Dahinter steckt ein einfaches Prinzip: Produktionsanlagen lassen sich besser auslasten, zusätzliche Umsätze entstehen ohne Marketingkosten, und Händler geben klare Preis- und Produktvorgaben vor.
Produktionsanlagen laufen effizienter, zusätzliche Umsätze entstehen ohne Werbung und Händler können Produkte gezielt für einen bestimmten Preis entwickeln.
Ein Eigenmarkenprodukt ist daher keine „günstigere Version der Marke“, sondern ein eigenständig entwickeltes Produkt für einen bestimmten Preis.
Der wichtigste Punkt: gleiche Fabrik ≠ gleiches Produkt
Auch wenn Produkte aus derselben Produktionsstätte stammen, sind sie in der Regel nicht identisch. Händler definieren genaue Anforderungen – etwa beim Fettgehalt, bei der Herkunft der Zutaten oder bei der Haltbarkeit.
Hersteller passen ihre Produktion daran an. So entstehen Produkte, die sich oft ähneln, aber bewusst unterschiedlich positioniert sind.
Typische Unterschiede können sein:
- angepasste Rezepturen
- variierende Rohstoffqualitäten
- unterschiedliche Haltbarkeitsziele
- vereinfachte Produktionsprozesse
Für euch bedeutet das: Ein Eigenmarkenprodukt kann sehr nah am Markenprodukt sein – aber selten vollständig gleich.
So erkennt ihr den Hersteller im Supermarkt
Wenn ihr wissen wollt, ob zwei Produkte aus derselben Produktion stammen, reicht oft ein kurzer Vergleich direkt im Regal.
Bei tierischen Produkten hilft das sogenannte Identitätskennzeichen. Dieses ovale Symbol enthält Herkunftsland und Betriebsnummer. Stimmen diese Angaben bei zwei Produkten überein, stammen sie aus demselben Betrieb.

Bei verarbeiteten Produkten ist es schwerer zu erkennen. Hier lohnt sich ein Blick auf die Herstelleradresse. Oft unterscheiden sich Markenprodukt und Eigenmarke nur geringfügig, etwa durch unterschiedliche Standorte innerhalb desselben Unternehmens.
Zusätzliche Hinweise liefert ein Vergleich von Zutatenliste und Nährwerten. Wenn diese nahezu identisch sind, spricht vieles dafür, dass die Produkte aus derselben Produktionskette stammen.
Wie solche Angaben aufgebaut sind, erklärt Lebensmittelklarheit im Detail.

Im direkten Vergleich im Einkaufswagen: Markenjoghurt und Eigenmarke sehen ähnlich aus – der Preisunterschied ist meist deutlich.
Warum Hersteller oft nicht direkt erkennbar sind
Auf vielen Verpackungen steht nicht der tatsächliche Produzent, sondern nur „Hergestellt für …“. Der Händler fungiert in diesem Fall als Ansprechpartner, während der Hersteller im Hintergrund bleibt.
Ein Grund dafür ist die Struktur vieler Konzerne. Eigenmarken werden häufig über Tochterfirmen produziert, die einen anderen Namen tragen als die bekannte Marke. Diese Verbindungen sind für Verbraucher nicht immer sofort sichtbar.
Wenn ihr das genauer prüfen wollt, könnt ihr solche Zusammenhänge über öffentliche Register nachvollziehen, etwa beim Bundesanzeiger oder im Handelsregister.
Eine weitere hilfreiche Orientierung bieten die Übersichten von wer-zu-wem. Die Plattform sammelt Eigenmarken verschiedener Händler und zeigt, welche Hersteller dahinterstehen könnten. Die Angaben basieren auf öffentlich zugänglichen Informationen und können sich je nach Produkt oder Produktionszeitraum ändern.
Konkrete Beispiele: Marke vs Eigenmarke im Vergleich
Bei vielen Produkten wird der Vergleich erst greifbar, wenn Marke und Eigenmarke nebeneinanderstehen. Das Bild zeigt typische Beispiele aus dem Supermarkt: Kekse, Milchprodukte und Snacks. Wichtig ist dabei: Gleiche Nähe im Regal heißt nicht automatisch gleiches Produkt – Hersteller, Rezeptur und Produktionszeitraum können sich ändern.
| Produktbereich | Markenprodukt | Eigenmarke | Hersteller-Hinweis | Einordnung |
|---|---|---|---|---|
| Joghurt | Müller / Bauer | ja! / Milsani | laut Herstellerlisten u. a. Müller, Bauer | oft ähnlich, Rezeptur prüfen |
| Kekse | Prinzen Rolle / Bahlsen | ja! Doppelkeks / Biscotto | laut Listen u. a. Griesson – De Beukelaer, Bahlsen | Preisvergleich lohnt sich |
| Milchprodukte | Müller Buttermilch | Milsani Buttermilch | Molkereicode prüfen | Identitätskennzeichen vergleichen |
| Snacks | Saltletts | Discounter-Salzstangen | Herstellerangaben prüfen | Geschmack oft wichtiger als Zutaten |
| Waffeln / Süßwaren | Markenwaffeln | Eigenmarken-Waffeln | Herstellerlisten nutzen | Rezeptur kann abweichen |
Die Tabelle ist als Orientierung gedacht, nicht als feste Herstellerliste. Eigenmarken wechseln Produzenten, Rezepturen ändern sich und manche Angaben lassen sich nur über Verpackung, Identitätskennzeichen oder aktuelle Herstellerlisten prüfen. Nutzt die Beispiele deshalb als Startpunkt: Produkt ansehen, Herstellerhinweis prüfen, Zutaten vergleichen, Preis entscheiden lassen.
Eigenmarken im Alltag: Wo sie wirklich vergleichbar sind

Markenprodukte und Eigenmarken im direkten Vergleich: Kekse, Milch und Snacks zeigen, wie ähnlich viele Produkte sind – bei oft deutlichem Preisunterschied.
Wenn ihr unsicher seid, startet mit genau solchen Produkten wie im Beispielbild: Joghurt, Kekse, Milchprodukte oder Snacks. Dort lässt sich Marke gegen Eigenmarke leicht vergleichen.
Der Unterschied zeigt sich allerdings nicht bei allen Produkten gleich – entscheidend ist, wie stark ein Produkt verarbeitet ist.
Bei Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Reis oder Dosentomaten sind die Unterschiede meist minimal. Die Zutaten sind klar definiert, die Herstellung standardisiert. Genau hier spart ihr fast immer, ohne einen spürbaren Unterschied zu merken.
Bei stark verarbeiteten Produkten wird der Unterschied deutlicher. Tiefkühlpizza, Schokolade oder Kaffee leben von Rezeptur und Feinabstimmung. Schon kleine Änderungen bei Zutaten oder Verarbeitung können den Geschmack deutlich verändern.
Eigenmarken bei dm, Rossmann & Co: Der oft übersehene Bereich
Eigenmarken beschränken sich längst nicht nur auf Lebensmittel. Besonders im Drogerie- und Haushaltsbereich ist das Prinzip weit verbreitet.
Ketten wie dm oder Rossmann bieten zahlreiche Eigenmarken an – von Pflegeprodukten bis zu Reinigungsmitteln. Auch hier arbeiten Händler mit großen Herstellern zusammen, die Eigenmarken parallel zu bekannten Marken produzieren. Anders als bei Lebensmitteln ist die Herkunft jedoch oft schwerer nachzuvollziehen, da es keine vergleichbaren Kennzeichnungssysteme gibt.
Gerade bei Produkten wie Waschmittel, Shampoo oder Reinigern sind die Unterschiede zwischen Marke und Eigenmarke häufig gering, während die Preisunterschiede deutlich ausfallen.
Wie viel spart ihr wirklich mit Eigenmarken?
Ein Vergleich von Bericht von BR/Bayern 1 über eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt, wie groß der Unterschied im Warenkorb ist. Dafür wurden 25 Markenprodukte mit 25 Eigenmarken verglichen – jeweils auf Basis der bestgetesteten Produkte.
Der Marken-Warenkorb kostete 115,08 Euro, der Eigenmarken-Warenkorb 75,60 Euro. Das ergibt eine Ersparnis von 39,48 Euro beziehungsweise rund 34 %.
Auch bei der Qualität lagen die Produkte laut dem Bericht nah beieinander: Die Markenprodukte kamen im Schnitt auf die Note 2,8, die Handelsmarken auf 2,7. Der Preisunterschied war damit deutlich größer als der Qualitätsunterschied.
Wann sich Markenprodukte wirklich lohnen
Es gibt Produkte, bei denen ihr den Unterschied sofort merkt – und genau da kann sich die Marke lohnen.
Das gilt vor allem für Dinge wie Kaffee, Schokolade oder bestimmte Fertiggerichte. Hier entscheidet oft die Rezeptur, und schon kleine Änderungen können Geschmack und Qualität spürbar verändern.
Auch wenn ihr spezielle Anforderungen habt – etwa bei bestimmten Ernährungsweisen, Unverträglichkeiten oder Inhaltsstoffen – lohnt sich ein genauer Blick. In solchen Fällen bieten Markenprodukte oft eine verlässlichere Zusammensetzung oder größere Auswahl.
Wenn ihr einen merkt, entscheidet euer Geschmack.
Was ihr beim nächsten Einkauf anders machen könnt
Beim nächsten Einkauf müsst ihr nichts komplett umstellen. Probiert es einfach aus: Nehmt bei ein paar Produkten bewusst die Eigenmarke statt der Marke.
Bei Mehl, Reis oder Konserven werdet ihr den Unterschied kaum merken – beim Preis aber sofort.
Bei Kaffee oder Schokolade entscheidet ihr dann nach Geschmack.

