Bargeld abheben ohne Einkauf: Diese EU-Regel könnte Euch den Weg zum Geldautomaten sparen

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Für Bargeld müsst Ihr künftig womöglich nicht mehr zuerst einen Geldautomaten suchen oder im Supermarkt etwas kaufen. Die EU arbeitet an neuen Zahlungsregeln, nach denen Einzelhändler Bargeld auch ohne Einkauf auszahlen können. Im derzeit vereinbarten Kompromiss sind bis zu 150 Euro pro Abhebung vorgesehen.

Ganz so weit ist es allerdings noch nicht: Stand 15. September 2026 ist die Reform noch nicht endgültig verabschiedet. Für Euch ist die geplante Änderung trotzdem interessant, denn sie könnte die Bargeldversorgung gerade dort erleichtern, wo Bankfilialen oder Geldautomaten nicht direkt erreichbar sind.

Bargeld an der Supermarktkasse: Das soll sich ändern

Bargeld beim Einkauf mitzunehmen, ist in Deutschland grundsätzlich nichts Neues. Verschiedene Händler ermöglichen ihren Kunden bereits heute eine Bargeldauszahlung an der Kasse. In der Praxis ist dieser sogenannte Cashback-Service allerdings häufig an einen Einkauf oder weitere Bedingungen des jeweiligen Händlers gekoppelt.

Genau an diesem Punkt setzt die geplante EU-Regel an.

Nach dem zwischen Europäischem Parlament und EU-Mitgliedstaaten ausgehandelten Rahmen sollen Einzelhandelsgeschäfte künftig Bargeld auszahlen können, ohne dass Ihr dafür Waren oder Dienstleistungen kaufen müsst.

Damit könnte aus der Supermarktkasse zumindest teilweise eine zusätzliche Alternative zum klassischen Geldautomaten werden.

Das Europäische Parlament führt die Reform der europäischen Zahlungsdienste derzeit weiterhin als „close to adoption“. Der politische Kompromiss wurde bereits erzielt und im Mai 2026 vom zuständigen Wirtschaftsausschuss bestätigt. Die endgültige formelle Annahme durch Parlament und Rat steht jedoch noch aus. Aktueller Stand des EU-Gesetzgebungsverfahrens beim Europäischen Parlament

Bis zu 150 Euro ohne Einkauf sind vorgesehen

Besonders relevant ist die geplante Betragsgrenze.

Der derzeitige Kompromiss sieht eine Obergrenze von 150 Euro je Bargeldabhebung vor. Gleichzeitig sollen Mitgliedstaaten die Möglichkeit erhalten, national eine niedrigere Grenze festzulegen. Nach dem aktuellen Verhandlungsstand soll diese jedoch nicht unter 100 Euro liegen.

Das bedeutet: Selbst wenn Deutschland die europäische Höchstgrenze nicht vollständig übernimmt, könnte eine Bargeldauszahlung ohne Einkauf deutlich mehr als nur einen kleinen Notfallbetrag umfassen.

Aber nicht jeder Supermarkt muss automatisch mitmachen

Die geplante Regel bedeutet nicht, dass Ihr nach ihrer Einführung zwangsläufig an jeder Supermarktkasse Geld bekommt.

Der europäische Rahmen soll Einzelhändlern ermöglichen, einen solchen Service anzubieten. Daraus entsteht jedoch kein Automatismus, dass Aldi, Lidl, Rewe, Edeka, dm, Rossmann oder andere Händler flächendeckend teilnehmen.

Entscheidend wird unter anderem sein,

  • welche Händler den Service tatsächlich einführen,
  • welche technischen Verfahren Banken und Zahlungsdienstleister unterstützen,
  • welche nationalen Grenzen Deutschland festlegt,
  • ob Händler eigene Bedingungen vorsehen und
  • ob an der jeweiligen Kasse ausreichend Bargeld vorhanden ist.

Auch mögliche Gebühren und die konkrete technische Umsetzung müssen für Deutschland beziehungsweise den jeweiligen Anbieter betrachtet werden. Solange das Gesetzgebungsverfahren nicht abgeschlossen ist, solltet Ihr deshalb noch nicht mit einem bestimmten Starttermin oder einer bundesweit einheitlichen Umsetzung rechnen.

Warum die Änderung für Deutschland relevant ist

Dass Bargeld trotz Smartphone, Girocard und kontaktlosem Bezahlen weiterhin eine große Rolle spielt, zeigen aktuelle Zahlen der Deutschen Bundesbank.

Im Jahr 2025 wurden 45 Prozent der erfassten Zahlungen in Deutschland bar abgewickelt. Zwei Jahre zuvor waren es noch 51 Prozent. Bargeld verliert damit zwar Marktanteile, bleibt aber weiterhin das am häufigsten verwendete einzelne Zahlungsmittel.

Noch deutlicher wird die Bedeutung bei einer anderen Zahl: 80 Prozent der Befragten halten es für wichtig, weiterhin bar bezahlen zu können.

Bei 94 Prozent der von der Bundesbank erfassten Einkäufe vor Ort war eine Barzahlung möglich. Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025“ der Deutschen Bundesbank

Die geplante EU-Regel setzt deshalb nicht auf die Abschaffung von Bargeld. Sie soll vielmehr einen zusätzlichen Zugang zu Bargeld ermöglichen.

Besonders außerhalb von Innenstädten könnte das praktisch werden

Für Euch dürfte der Unterschied vor allem dann spürbar sein, wenn der nächste Geldautomat nicht direkt auf dem Weg liegt.

Ein Beispiel: Ihr benötigt am Wochenende 100 Euro Bargeld. Bisher müsst Ihr möglicherweise zunächst einen Automaten Eurer Bank suchen oder bei einem Händler einkaufen, der eine Auszahlung zusammen mit dem Einkauf anbietet.

Mit der neuen Regel könnte theoretisch der Besuch eines teilnehmenden Supermarkts oder eines anderen Einzelhändlers reichen. Ihr lasst Euch dort den gewünschten Betrag auszahlen und müsst keinen zusätzlichen Artikel kaufen, nur um an Bargeld zu kommen.

Gerade in kleineren Orten und Regionen mit weniger Bankfilialen kann ein solches zusätzliches Netz sinnvoll sein.

Das ist nicht dasselbe wie die geplante Bezahlpflicht ab 2027

Beim Thema Bargeld laufen derzeit gleich mehrere politische Vorhaben parallel. Dadurch können die Regelungen leicht durcheinandergeraten.

In Deutschland wird beispielsweise darüber diskutiert, Unternehmen künftig zusätzlich zu Bargeld zur Annahme mindestens einer digitalen Zahlungsmöglichkeit zu verpflichten. Ein endgültiges Gesetz gibt es dazu bislang ebenfalls nicht.

Was genau geplant ist und warum Bargeld dadurch nicht verschwinden soll, erklären wir Euch ausführlich in unserem Beitrag zur geplanten Pflicht zum digitalen Bezahlen ab 2027.

Die geplante EU-Regel zur Bargeldauszahlung verfolgt praktisch die entgegengesetzte Richtung: Sie soll Euch leichter an Bargeld herankommen lassen.

Auch die 10.000-Euro-Bargeldgrenze hat damit nichts zu tun

Eine weitere Regelung betrifft sehr hohe Barzahlungen.

Ab dem 10. Juli 2027 gilt aufgrund der europäischen Geldwäschevorschriften grundsätzlich eine Obergrenze von 10.000 Euro für bestimmte gewerbliche Barzahlungen.

Das betrifft beispielsweise größere Anschaffungen und nicht die normale Bargeldversorgung an der Supermarktkasse.

Welche Zahlungen betroffen sind und welche Ausnahmen unter anderem für private Geschäfte gelten, erklären wir in unserem Ratgeber zur Bargeldgrenze ab 2027 und Zahlungen über 10.000 Euro.

Ihr solltet die beiden Beträge deshalb klar auseinanderhalten:

Bis zu 150 Euro betreffen nach dem derzeitigen EU-Kompromiss die geplante Bargeldauszahlung im Einzelhandel ohne Einkauf. Die 10.000-Euro-Grenze betrifft dagegen bestimmte Barzahlungen für Waren und Dienstleistungen.

Die Kasse verändert sich gerade an mehreren Stellen

Die geplante Bargeldauszahlung ohne Einkauf ist nur ein Teil einer größeren Veränderung beim Bezahlen.

Auch die Girocard soll ab 2027 neue Funktionen bekommen. Vorgesehen sind unter anderem zusätzliche Einsatzmöglichkeiten in Händler-Apps sowie neue Funktionen für Vorautorisierungen, etwa bei Hotels und Mietwagen. Was davon bereits feststeht, erfahrt Ihr in unserem Überblick zu den neuen Girocard-Funktionen ab 2027.

Gleichzeitig werden auch Kassenprozesse digitaler. Nach derzeitigen Plänen könnte ab 2028 ein elektronischer Beleg beispielsweise über einen QR-Code bereitgestellt werden. Die Hintergründe haben wir Euch im Beitrag zum digitalen Kassenbon ab 2028 zusammengefasst.

Und mit europäischen Bezahllösungen wie Wero wächst zusätzlich die Auswahl beim digitalen Bezahlen. Ein aktuelles Beispiel ist die Einführung von Wero als Bezahlmethode bei dm.

Die Entwicklung geht damit nicht ausschließlich in Richtung „weniger Bargeld“. Vielmehr sollen Barzahlung und digitale Zahlverfahren parallel leichter zugänglich werden.

Was Ihr vor einer Bargeldabhebung beachten solltet

Selbst nach einer endgültigen Einführung solltet Ihr nicht davon ausgehen, dass jede Kasse genauso funktioniert wie ein Geldautomat.

Prüft zunächst, ob der betreffende Händler Bargeldauszahlungen ohne Einkauf überhaupt anbietet. Außerdem können Höchstbeträge, technische Voraussetzungen und möglicherweise anfallende Entgelte eine Rolle spielen.

Auch die Verfügbarkeit von Bargeld im Geschäft kann praktisch Grenzen setzen. Ein kleiner Einzelhändler kann schließlich nicht beliebig große Beträge aus seiner Kasse auszahlen.

Entscheidend werden deshalb die endgültigen gesetzlichen Vorgaben und anschließend die konkrete Umsetzung durch Händler, Banken und Zahlungsdienstleister sein.

Wann startet Bargeld abheben ohne Einkauf?

Einen verbindlichen Termin gibt es derzeit noch nicht.

Der politische Kompromiss zwischen Europäischem Parlament und den EU-Mitgliedstaaten steht, und der zuständige Parlamentsausschuss hat den vereinbarten Text am 5. Mai 2026 gebilligt.

Das gesamte Regelwerk muss jedoch noch formell abgeschlossen werden, bevor daraus verbindliches Recht und anschließend eine praktisch nutzbare Regelung wird.

Eine Schlagzeile wie „Ab sofort könnt Ihr überall 150 Euro im Supermarkt abheben“ wäre deshalb derzeit falsch.

Fest steht lediglich: Die Möglichkeit der Bargeldauszahlung im Einzelhandel ohne verpflichtenden Einkauf ist Bestandteil des weit fortgeschrittenen EU-Zahlungsdienstepakets.

Fazit: Eine kleine Änderung mit großem Alltagsnutzen

Die geplante EU-Regel könnte den Zugang zu Bargeld spürbar vereinfachen. Statt einen Geldautomaten suchen oder zunächst etwas kaufen zu müssen, könnten Euch teilnehmende Einzelhändler künftig bis zu 150 Euro unabhängig von einem Einkauf auszahlen. Deutschland könnte nach dem derzeitigen Kompromiss allerdings eine niedrigere nationale Grenze festlegen.

Besonders interessant ist die Änderung für Menschen, die weiterhin regelmäßig Bargeld verwenden oder nicht in unmittelbarer Nähe eines Geldautomaten wohnen.

Der wichtigste Haken: Die Regel gilt noch nicht. Außerdem bedeutet die EU-Regel nicht automatisch, dass jeder Händler Bargeldauszahlungen anbieten wird. Erst nach der endgültigen Verabschiedung und Umsetzung lässt sich sagen, bei welchen Händlern der Service tatsächlich verfügbar sein wird und welche konkreten Bedingungen gelten.

Wie seht Ihr die geplante Änderung?

Würdet Ihr Bargeld direkt an der Supermarktkasse abheben, wenn dafür kein Einkauf mehr nötig wäre? Oder bleibt für Euch der klassische Geldautomat die bessere Lösung? Schreibt uns Eure Meinung und Eure bisherigen Erfahrungen mit Bargeldauszahlungen im Supermarkt in die Kommentare.

Christian Schröder

Christian Schröder

Gründer & Redakteur

Expertise: Deals, Gutscheine, Preisvergleiche, Verbraucher-News, Mobilfunk und Onlinehandel. Christian Schröder prüft Aktionsbedingungen, Vergleichspreise, Versandkosten und mögliche Folgekosten und bereitet relevante Informationen verständlich für Leser auf.

Christian Schröder ist seit 2016 bei Preis-King tätig und schreibt dort täglich über Angebote, Verbraucher-News, Produktrückrufe, Mobilfunk, Technik und aktuelle Entwicklungen im Onlinehandel. Zuvor betreute er bereits weitere Blogs und ist auch heute noch an verschiedenen redaktionellen Projekten beteiligt.

Durch seine Ausbildung zum Immobilienkaufmann verfügt er zusätzlich über Erfahrung in den Bereichen Verträge, Kosten, Finanzierung und wirtschaftliche Zusammenhänge. Bei Preis-King prüft und bewertet er unter anderem Aktionsbedingungen, Vergleichspreise, Versandkosten und mögliche Folgekosten.

Sein Ziel ist es, Informationen verständlich einzuordnen und Leser frühzeitig auf relevante Änderungen, Einschränkungen und mögliche Preisfallen hinzuweisen.

Zuletzt aktualisiert: 15.09.2026
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