Amazon plant offenbar eine weitreichende Neugestaltung von Prime Video. Unter dem internen Projektnamen „Lighthouse“ soll Künstliche Intelligenz künftig genauer verstehen, welche Filme und Serien Euch interessieren – und möglicherweise sogar auf frei formulierte Sprachwünsche reagieren.
Die Pläne könnten die Startseite, die Suche und die persönlichen Empfehlungen deutlich verändern. Fest steht die neue Oberfläche allerdings noch nicht: Amazon testet derzeit offenbar verschiedene Ansätze, eine offizielle Ankündigung oder einen Starttermin gibt es bislang nicht.
Jeff Bezos soll den KI-Umbau persönlich angestoßen haben
Ausgangspunkt des Projekts war laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters eine interne Präsentation im Herbst 2025. Amazon-Gründer und Executive Chairman Jeff Bezos soll mit den damaligen Plänen für Prime Video unzufrieden gewesen sein, weil Künstliche Intelligenz und Personalisierung darin aus seiner Sicht keine ausreichend große Rolle spielten.
Daraufhin seien die bisherigen Konzepte verworfen und durch das neue Projekt Lighthouse ersetzt worden. Bezos soll die Entwicklung persönlich begleiten und gelegentlich über den Fortschritt informiert werden. Das ist bemerkenswert, weil er sich seit seinem Rücktritt als Amazon-CEO im Jahr 2021 aus vielen operativen Aufgaben zurückgezogen hat. Amazon selbst wollte den Reuters-Bericht nicht kommentieren.
Weitere Meldungen und Entwicklungen rund um den Konzern findet Ihr im Preis-King-Bereich Amazon News.
Projekt Lighthouse soll Empfehlungen genauer machen
Das wichtigste Ziel des Umbaus sind offenbar bessere persönliche Empfehlungen. Prime Video soll stärker aus Eurem bisherigen Nutzungsverhalten lernen und daraus ableiten, welche Inhalte zu Euren Vorlieben passen könnten.
Statt Euch hauptsächlich allgemeine Kategorien oder dieselben beworbenen Neuerscheinungen wie vielen anderen Nutzern zu präsentieren, könnte die Oberfläche künftig stärker auf individuelle Interessen eingehen.
Als mögliche Beispiele wurden laut Reuters Themenwelten wie diese diskutiert:
- Actionfilme aus den 1980er-Jahren
- Weihnachtliche Liebeskomödien
- vergleichbar konkrete Film- und Seriengruppen auf Basis persönlicher Vorlieben
Dabei handelt es sich bislang nur um Beispiele aus der Entwicklungsphase. Welche Kategorien tatsächlich erscheinen und wie stark sie auf einzelne Nutzer zugeschnitten werden, ist noch offen.
Personalisierte Empfehlungen sind im Streamingmarkt grundsätzlich nicht neu. Einen Überblick über weitere Plattformen, Aktionen und Entwicklungen findet Ihr in den Preis-King-Ratgebern zu Streamingdiensten.
Die Prime-Video-Startseite könnte übersichtlicher werden
Ein zentraler Bestandteil von Lighthouse ist offenbar ein Redesign der Startseite. Ein finales Layout wurde jedoch noch nicht beschlossen.
Diskutiert werden unter anderem automatisch zusammengestellte Empfehlungskacheln. Denkbar ist, dass diese weniger auf langen Beschreibungstexten und stärker auf klar erkennbaren Themen, Genres und Sehgewohnheiten beruhen.
Die klassische Suchfunktion soll nach dem derzeitigen Planungsstand erhalten bleiben. Auch der auffällige Bereich am oberen Bildschirmrand, in dem Amazon neue Filme, Serien oder Sportübertragungen bewirbt, soll nicht vollständig verschwinden.
Prime Video hatte seine Oberfläche bereits im Juli 2024 umfassend überarbeitet. Damals sollte unter anderem deutlicher werden, welche Inhalte im Prime-Abonnement enthalten sind und für welche Filme, Serien oder Zusatzkanäle Ihr zusätzlich bezahlen müsst. Lighthouse wäre somit nicht das erste größere Redesign des Dienstes.
Wie sich der Dienst in den vergangenen Jahren entwickelt hat, könnt Ihr im Preis-King-Rückblick zu zehn Jahren Amazon Prime Video nachlesen.
Alexa könnte Teil der Prime-Video-Suche werden
Ein weiterer möglicher Bestandteil des Projekts ist die Einbindung von Alexa in die Prime-Video-Suche. Statt lediglich einen Filmtitel einzutippen, könntet Ihr dann auch einen gesprochenen Wunsch formulieren.
Denkbar wären beispielsweise Anfragen nach einer bestimmten Stimmung, Epoche oder Art von Film. Die KI müsste daraus erkennen, was Ihr sehen möchtet, und dazu passende Ergebnisse zusammenstellen.
Reuters berichtet allerdings lediglich, dass Amazon eine solche Integration diskutiert. Es ist daher noch nicht bestätigt, ob Alexa tatsächlich Bestandteil der finalen Prime-Video-Oberfläche wird.
Sprachsteuerung gehört bei Amazons Streaming-Hardware bereits zum Alltag. Der Amazon Fire TV Stick HD mit Alexa-Sprachfernbedienung zeigt beispielsweise, wie Suche und Wiedergabe schon heute per Sprache bedient werden können. Die geplante Lighthouse-Suche könnte darüber hinausgehen, indem sie komplexere und natürlich formulierte Wünsche auswertet.
Erste Versionen werden bereits getestet
Amazon testet laut Reuters bereits verschiedene Varianten des Redesigns mit einer kleinen Zahl von Nutzern. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle beschriebenen Funktionen später veröffentlicht werden.
Die Pläne könnten sich noch aus mehreren Gründen ändern:
- negatives Feedback aus den laufenden Tests
- technische Einschränkungen
- wirtschaftliche Überlegungen
- Konflikte mit bestehenden Werbe- und Vermarktungsmodellen
- unterschiedliche Anforderungen in einzelnen Ländern
Einen bekannten Veröffentlichungstermin gibt es derzeit nicht. Ebenso ist unklar, ob Amazon die Neuerungen gleichzeitig weltweit oder zunächst nur in ausgewählten Märkten einführen würde.
Was Euch die neue Personalisierung bringen könnte
Für Nutzer kann eine intelligentere Oberfläche mehrere Vorteile haben. Vor allem die häufig mühsame Suche nach einem passenden Film oder einer neuen Serie könnte schneller werden.
Mögliche Vorteile
Passendere Empfehlungen:
Die Startseite könnte stärker auf Eure tatsächlichen Interessen reagieren, statt überwiegend allgemeine Trends anzuzeigen.
Natürlichere Suche:
Durch eine mögliche Alexa-Integration müsstet Ihr nicht immer den exakten Titel eines Films kennen.
Weniger Zeit bei der Auswahl:
Konkrete Themenwelten könnten Euch schneller zu passenden Inhalten führen.
Bessere Auffindbarkeit älterer Inhalte:
Eine intelligentere Sortierung könnte auch Filme und Serien hervorholen, die nicht mehr auf den üblichen prominenten Plätzen erscheinen.
Gerade für Nutzer, die mehrere Dienste parallel verwenden, kann eine bessere Suche entscheidend sein. Aktuelle Preisaktionen und Probeangebote verschiedener Anbieter sammelt Preis-King in der Kategorie Streaming-Dienste-Angebote.
Die KI-Offensive hat auch mögliche Nachteile
Mehr Personalisierung bedeutet nicht automatisch, dass die Oberfläche für alle Nutzer besser wird. Ein Algorithmus, der stark aus dem bisherigen Sehverhalten lernt, kann Euch immer wieder ähnliche Inhalte präsentieren. Dadurch könnten neue Genres oder überraschende Empfehlungen seltener sichtbar werden.
Unklar bleibt außerdem, welche Nutzungsdaten Amazon für die Personalisierung auswertet und wie transparent sich einzelne Vorschläge später erklären lassen. Der Reuters-Bericht nennt hierzu keine konkreten Details. Aussagen zum Datenschutz oder zu einer erweiterten Datenerhebung wären daher derzeit Spekulation.
Auch die Übersichtlichkeit könnte leiden, wenn zu viele automatisch erzeugte Kategorien auf der Startseite erscheinen. Entscheidend wird sein, ob Amazon die Personalisierung dezent einsetzt oder die gesamte Navigation von KI-Vorschlägen bestimmen lässt.
Bezahlte Platzierungen könnten zum Konflikt werden
Die Prime-Video-Startseite ist nicht nur eine Benutzeroberfläche, sondern auch eine wertvolle Werbefläche. Filmstudios und andere Inhalteanbieter bezahlen teilweise dafür, dass bestimmte Produktionen besonders prominent erscheinen.
Michael Goodman, Forschungsleiter für Unterhaltung bei Parks Associates, weist deshalb darauf hin, dass eine stärkere Personalisierung das bisherige System verändern könnte. Je mehr Platz individuelle KI-Empfehlungen erhalten, desto weniger Raum bleibt möglicherweise für fest gebuchte Platzierungen.
Für Euch als Nutzer ist das ein wichtiger Punkt: Eine neue Empfehlungskachel muss nicht zwangsläufig ausschließlich danach ausgewählt worden sein, wie gut ein Inhalt zu Euren Vorlieben passt. Auch wirtschaftliche Interessen und Werbevereinbarungen können weiterhin beeinflussen, was auf der Startseite sichtbar wird.
Dass Werbung und Zusatzkosten bei Prime Video bereits für Diskussionen sorgen, zeigt auch der Preis-King-Ratgeber zur Werbung bei Amazon Prime und der Verbraucherklage.
Ändert sich durch Lighthouse auch der Preis?
Derzeit gibt es keine bestätigten Hinweise, dass Amazon für das Lighthouse-Redesign oder die geplanten KI-Empfehlungen einen zusätzlichen Preis verlangen wird.
Das Projekt betrifft nach dem bisherigen Informationsstand in erster Linie die Benutzeroberfläche, die Suche und die Personalisierung. Aussagen über neue Tarife, zusätzliche Gebühren oder eine exklusive Bereitstellung einzelner KI-Funktionen wären aktuell nicht belegt.
Unabhängig davon entwickelt Amazon seine Abo-Struktur weiter. Was über mögliche zusätzliche Prime-Video-Leistungsstufen bekannt ist, hat Preis-King im Beitrag zu Prime Video Ultra und den möglichen Auswirkungen für Deutschland zusammengefasst. Dabei solltet Ihr beachten, dass nicht jede international diskutierte Änderung automatisch auch in Deutschland eingeführt wird.
Für wen wäre das neue Prime Video besonders interessant?
Von Lighthouse könnten vor allem diejenigen unter Euch profitieren, die häufig lange durch Film- und Serienkataloge scrollen, ohne sich entscheiden zu können.
Interessant wäre das Konzept insbesondere für:
- Haushalte mit regelmäßig wechselnden Sehgewohnheiten
- Nutzer, die gezielt nach bestimmten Genres oder Stimmungen suchen
- Familien mit unterschiedlichen Profilen
- Menschen, die Streamingdienste bevorzugt per Sprache bedienen
- Nutzer, die auch ältere oder weniger bekannte Inhalte entdecken möchten
Weniger attraktiv könnte die stärkere Personalisierung für Euch sein, wenn Ihr eine neutrale, chronologische oder redaktionell kuratierte Übersicht bevorzugt. Auch Nutzer, die möglichst wenige persönliche Daten für Empfehlungen verwenden möchten, dürften genau beobachten, wie Amazon die Funktion später umsetzt.
Fazit: Viel Potenzial, aber noch kein fertiges Prime-Video-Redesign
Das Projekt Lighthouse könnte Prime Video deutlich verändern. Persönlichere Empfehlungen, eine möglicherweise intelligentere Alexa-Suche und neu sortierte Themenwelten könnten Euch schneller zu passenden Filmen und Serien führen.
Bislang handelt es sich jedoch um ein internes Projekt, über das Reuters unter Berufung auf mehrere mit den Plänen vertraute Personen berichtet. Amazon hat die Details nicht offiziell bestätigt, das finale Design steht noch nicht fest und erste Varianten werden lediglich mit ausgewählten Nutzern getestet.
Die größte Stärke des Konzepts liegt in einer möglicherweise einfacheren Inhaltssuche. Gleichzeitig muss Amazon verhindern, dass die Startseite unübersichtlich wird, Nutzer in einer zu engen Empfehlungsblase landen oder bezahlte Platzierungen als persönliche Tipps erscheinen.
Was haltet Ihr von den Plänen? Würdet Ihr Euch eine stärker personalisierte Prime-Video-Startseite und eine KI-gestützte Sprachsuche wünschen, oder möchtet Ihr lieber selbst durch den Katalog stöbern? Teilt Eure Meinung und Eure bisherigen Erfahrungen mit Prime Video in den Kommentaren.

Christian Schröder
Gründer & Redakteur
Expertise: Deals, Gutscheine, Preisvergleiche, Verbraucher-News, Mobilfunk und Onlinehandel. Christian Schröder prüft Aktionsbedingungen, Vergleichspreise, Versandkosten und mögliche Folgekosten und bereitet relevante Informationen verständlich für Leser auf.
Christian Schröder ist seit 2016 bei Preis-King tätig und schreibt dort täglich über Angebote, Verbraucher-News, Produktrückrufe, Mobilfunk, Technik und aktuelle Entwicklungen im Onlinehandel. Zuvor betreute er bereits weitere Blogs und ist auch heute noch an verschiedenen redaktionellen Projekten beteiligt.
Durch seine Ausbildung zum Immobilienkaufmann verfügt er zusätzlich über Erfahrung in den Bereichen Verträge, Kosten, Finanzierung und wirtschaftliche Zusammenhänge. Bei Preis-King prüft und bewertet er unter anderem Aktionsbedingungen, Vergleichspreise, Versandkosten und mögliche Folgekosten.
Sein Ziel ist es, Informationen verständlich einzuordnen und Leser frühzeitig auf relevante Änderungen, Einschränkungen und mögliche Preisfallen hinzuweisen.

