Kaufland testet Arztbesuche im Supermarkt – sogar Krankschreibungen sind möglich
Zwischen Wocheneinkauf, Getränkeregal und Kasse noch schnell mit einem Arzt sprechen? Was zunächst ungewöhnlich klingt, wird in einer Kaufland-Filiale in Baden-Württemberg bereits getestet. Gemeinsam mit dem Gesundheitsunternehmen Sana hat Kaufland dort einen sogenannten S Medical Room eingerichtet.
Kundinnen und Kunden können in dem separaten Raum unter anderem eine ärztliche Videosprechstunde nutzen, bestimmte Gesundheitswerte überprüfen lassen und bei entsprechender medizinischer Beurteilung auch ein Rezept oder eine Krankschreibung erhalten.
Der Supermarkt entwickelt sich damit immer stärker zu einem Ort, an dem längst nicht mehr nur Lebensmittel verkauft werden. Kaufland erprobt aktuell auch an anderer Stelle neue Technologien – etwa einen smarten Einkaufswagen mit Bildschirm und zwei Kameras.
Das Wichtigste zum Medical Room bei Kaufland
- Erster Teststandort ist eine Kaufland-Filiale in Mosbach.
- Der Medical Room befindet sich direkt im Supermarkt.
- Angeboten werden ärztliche Videosprechstunden.
- Je nach Diagnose können Rezepte oder Krankschreibungen ausgestellt werden.
- Bestimmte Gesundheitswerte lassen sich vor Ort überprüfen.
- Termine können vorab gebucht werden.
- Das Angebot ist zunächst ein lokales Pilotprojekt.
- Eine deutschlandweite Einführung wurde bislang nicht angekündigt.
Was ist der S Medical Room?
Beim S Medical Room handelt es sich um einen kleinen, abgeschlossenen Gesundheitsraum innerhalb der Kaufland-Filiale. Entwickelt wurde das Konzept vom Gesundheitsdienstleister Sana.
Der Raum soll Patientinnen und Patienten einen unkomplizierten Zugang zu bestimmten medizinischen Leistungen ermöglichen. Statt in einer klassischen Arztpraxis Platz zu nehmen, wird die ärztliche Beratung digital über einen Bildschirm durchgeführt.
Die Videosprechstunde ist dabei nicht mit einem frei zugänglichen Videotelefonat mitten im Verkaufsraum vergleichbar. Der Medical Room ist als separater Bereich konzipiert, sodass das Gespräch vertraulich stattfinden kann.
Das Konzept verbindet damit drei Bereiche:
- eine geschützte Videosprechstunde,
- medizinische Selbstmessungen vor Ort,
- die digitale Weitergabe bestimmter Dokumente.
Gerade bei einfachen Beschwerden oder wiederkehrenden Anliegen könnte der Weg zum Arzt dadurch kürzer werden.
Diese Leistungen sind im Medical Room möglich
Im Mittelpunkt steht die ärztliche Videosprechstunde. Über einen Bildschirm können Patientinnen und Patienten Kontakt zu medizinischem Fachpersonal aufnehmen und ihre Beschwerden schildern.
Nach einer individuellen medizinischen Beurteilung können unter anderem folgende Leistungen möglich sein:
- ärztliche Beratung per Video,
- Ausstellung eines Rezepts,
- Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung,
- Messung des Blutdrucks,
- Messung der Körpertemperatur,
- Bestimmung der Sauerstoffsättigung,
- weitere einfache Gesundheitschecks.
Ob ein Rezept oder eine Krankschreibung tatsächlich ausgestellt wird, entscheidet der behandelnde Arzt im Einzelfall. Der Medical Room ist daher kein Automat, an dem Dokumente ohne Untersuchung ausgegeben werden.
Benötigte Medikamente sind zudem nicht direkt im Raum erhältlich. Nach Ausstellung eines Rezepts müssen sie weiterhin über eine Apotheke bezogen werden. Wer Arzneimittelpreise vergleichen möchte, findet dazu unseren ausführlichen Medizinfuchs-Test mit Erfahrungen und Alternativen.
So läuft der Arztbesuch im Supermarkt ab
Für die Nutzung des Medical Rooms ist grundsätzlich eine Terminbuchung vorgesehen. Anschließend gehen die Patientinnen und Patienten zum vereinbarten Zeitpunkt in die Kaufland-Filiale und betreten dort den separaten Gesundheitsraum.
Je nach gebuchter Leistung können zunächst bestimmte Werte erfasst werden. Danach beginnt die Videosprechstunde mit einem Arzt.
Der mögliche Ablauf:
- Termin online oder über das vorgesehene Buchungssystem auswählen.
- Zum gebuchten Zeitpunkt den Medical Room aufsuchen.
- Bei Bedarf Gesundheitswerte vor Ort messen.
- Beschwerden in der Videosprechstunde schildern.
- Ärztliche Einschätzung und weitere Empfehlungen erhalten.
- Rezept oder Krankschreibung bei medizinischer Notwendigkeit digital bekommen.
Wie bei einer gewöhnlichen Sprechstunde kann der Arzt auch zu dem Ergebnis kommen, dass eine Untersuchung vor Ort erforderlich ist. Bei akuten Notfällen ersetzt der Medical Room weder den Rettungsdienst noch eine Notaufnahme.
Wo befindet sich der erste Medical Room?
Der erste S Medical Room bei Kaufland wird in einer Filiale in Mosbach in Baden-Württemberg getestet.
Damit handelt es sich derzeit nicht um ein Angebot, das in jeder Kaufland-Filiale verfügbar ist. Der Standort dient zunächst dazu, Erfahrungen mit dem Konzept zu sammeln.
Ob weitere Märkte folgen, dürfte davon abhängen, wie gut das Angebot angenommen wird und ob sich der Medical Room im praktischen Betrieb bewährt. Kaufland hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach offen für digitale Pilotprojekte gezeigt. Neben dem Medical Room testet das Unternehmen beispielsweise neue Einkaufswagen- und Bezahllösungen.
Wer regelmäßig bei dem Händler einkauft, findet auf Preis-King außerdem eine Übersicht mit aktuellen Kaufland-Angeboten und Aktionen.
Warum startet der Test ausgerechnet in einem Supermarkt?
Supermärkte werden täglich von vielen Menschen besucht und sind in der Regel leichter erreichbar als spezialisierte medizinische Einrichtungen. Die Idee hinter dem Medical Room besteht deshalb vor allem darin, medizinische Erstkontakte in den Alltag zu integrieren.
Ein möglicher Vorteil: Der Arzttermin lässt sich mit ohnehin notwendigen Erledigungen verbinden. Besonders für Menschen mit längeren Wegen zur nächsten Praxis könnte das interessant sein.
Auch die Entwicklung im Einzelhandel spielt eine Rolle. Händler versuchen zunehmend, ihren Filialen zusätzliche Funktionen zu geben. Digitale Kundenkarten, Selbstbedienungskassen, Abholstationen und smarte Einkaufswagen gehören inzwischen bei vielen Ketten zum Alltag.
Bei Kaufland ist die Digitalisierung unter anderem über die App und das Bonusprogramm sichtbar. Wie gut dieses im Alltag funktioniert, zeigen wir in unserem ausführlichen Test der Kaufland Card Xtra.
Welche Vorteile könnte der Medical Room bieten?
Der größte Vorteil liegt in der möglichen Zeitersparnis. Für einfache medizinische Anliegen wäre nicht immer der Weg in eine klassische Arztpraxis notwendig.
Mögliche Vorteile sind:
- gut erreichbarer Standort,
- Verbindung mit dem normalen Einkauf,
- vorher planbare Termine,
- geschützter Raum für die Videosprechstunde,
- Messgeräte direkt vor Ort,
- digitale Rezepte und Dokumente,
- möglicher Zugang außerhalb typischer Praxisstrukturen.
Gerade in Regionen mit wenigen Arztpraxen könnte ein solches Angebot eine sinnvolle Ergänzung sein. Es ersetzt jedoch keine umfassende körperliche Untersuchung und kann nicht für jede Erkrankung genutzt werden.
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Es gibt auch offene Fragen
So praktisch das Konzept klingt, einige Punkte müssen sich erst im Alltag beweisen. Dazu gehört vor allem die Frage, wie vertraulich sich die Nutzung in einer stark besuchten Filiale anfühlt.
Auch ältere oder technisch weniger erfahrene Menschen könnten Unterstützung beim Umgang mit den Geräten benötigen. Entscheidend wird außerdem sein, wie schnell Termine verfügbar sind und welche Beschwerden tatsächlich über eine Videosprechstunde behandelt werden können.
Weitere Fragen betreffen:
- Datenschutz und Gesprächsvertraulichkeit,
- Reinigung der eingesetzten Messgeräte,
- Barrierefreiheit des Raums,
- technische Unterstützung bei Problemen,
- Wartezeiten bei hoher Nachfrage,
- Weiterleitung an eine Praxis bei unklaren Beschwerden.
Kaufland und Sana müssen beim Pilotbetrieb daher zeigen, dass der Medical Room nicht nur Aufmerksamkeit erzeugt, sondern auch zuverlässig und vertrauenswürdig funktioniert.
Kann man dort auch Medikamente kaufen?
Der Medical Room selbst ist keine Apotheke. Medikamente werden dort nicht verkauft oder ausgegeben.
Wird während der Videosprechstunde ein Rezept ausgestellt, muss dieses anschließend bei einer Apotheke eingelöst werden. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten gelten dabei dieselben gesetzlichen Vorgaben wie bei einem Rezept aus einer klassischen Arztpraxis.
Bei frei verkäuflichen Arzneimitteln lohnt sich häufig ein Preisvergleich, da sich die Preise verschiedener Versandapotheken deutlich unterscheiden können.
Kaufland baut seine digitalen Angebote weiter aus
Der Medical Room ist nicht das einzige neue Angebot, mit dem Kaufland den klassischen Einkauf erweitert. Neben technischen Lösungen im Markt investiert der Händler auch verstärkt in seine App, digitale Coupons und Kundenaktionen.
Teilnehmende Kundinnen und Kunden können über die Kaufland Card Punkte sammeln und verschiedene Vorteile nutzen. Kaufland gehört allerdings nicht zu den direkten Payback-Partnern. Welche Händler an dem Bonusprogramm teilnehmen und welche Alternativen es gibt, erklären wir in unserem Ratgeber zum Sammeln von Payback-Punkten im Supermarkt.
Zu den zeitlich begrenzten Kaufland-Aktionen gehören außerdem wechselnde Zusatzleistungen. Aktuell zeigt beispielsweise die Aktion mit bis zu zwei kostenlosen Monaten Disney+ für Kaufland-Card-Xtra-Kunden, wie stark der Händler sein Bonusprogramm ausbaut.
Gesundheitsangebote im Supermarkt: Praktisch oder gewöhnungsbedürftig?
Für viele Menschen dürfte ein Arztbesuch zwischen Supermarktregalen zunächst ungewohnt sein. Entscheidend ist jedoch nicht der Standort allein, sondern die medizinische Qualität und der verantwortungsvolle Umgang mit den persönlichen Daten.
Videosprechstunden sind grundsätzlich besonders für Anliegen geeignet, die sich ohne umfangreiche körperliche Untersuchung beurteilen lassen. Bei starken Schmerzen, Atemnot, Verletzungen oder anderen akuten Beschwerden bleibt eine persönliche medizinische Untersuchung notwendig.
Der Standort im Supermarkt könnte trotzdem Hemmschwellen senken. Wer ohnehin seinen Einkauf erledigt, muss keine zusätzliche Strecke zurücklegen. Gleichzeitig darf die Bequemlichkeit nicht dazu führen, dass ernsthafte Beschwerden ausschließlich digital abgeklärt werden.
Gesundheit spielt auch beim normalen Lebensmitteleinkauf eine wichtige Rolle. Das zeigt sich beispielsweise bei Produktrückrufen. In unserer Übersicht zum Rückruf einer bei Kaufland verkauften Salami wegen eines E.-coli-Befunds erklären wir, welche Produkte betroffen waren und warum Verbraucher Warnungen ernst nehmen sollten.
Wird es den Medical Room bald in weiteren Kaufland-Filialen geben?
Dazu gibt es bislang keine bestätigte Ankündigung. Kaufland und Sana testen das Konzept zunächst am Standort Mosbach.
Bei Pilotprojekten prüfen Unternehmen üblicherweise, wie häufig ein Angebot genutzt wird, welche technischen Probleme auftreten und wie zufrieden die Kundinnen und Kunden sind. Erst anschließend wird entschieden, ob sich eine Ausweitung lohnt.
Eine deutschlandweite Einführung sollte deshalb derzeit nicht als sicher dargestellt werden. Bei guter Resonanz ist allerdings denkbar, dass weitere Standorte folgen.
Der Einzelhandel steht ohnehin unter starkem Veränderungsdruck. Während digitale Services zunehmen, sind gleichzeitig die Kosten für den täglichen Einkauf deutlich gestiegen. Wie stark sich Lebensmittel in den vergangenen Jahren verteuert haben, zeigt unsere Auswertung zu den Lebensmittelpreisen in Deutschland seit 2020.
Fazit: Arzttermin und Einkauf an einem Ort
Mit dem Medical Room testen Kaufland und Sana ein ungewöhnliches Gesundheitsangebot direkt im Supermarkt. Kundinnen und Kunden können dort eine ärztliche Videosprechstunde wahrnehmen und bestimmte Gesundheitswerte messen lassen.
Auch Rezepte und Krankschreibungen sind nach einer ärztlichen Beurteilung grundsätzlich möglich. Eine Garantie darauf gibt es jedoch nicht, da die Entscheidung immer vom konkreten medizinischen Fall abhängt.
Ob sich das Konzept langfristig durchsetzt, muss der Test in Mosbach zeigen. Der Medical Room könnte insbesondere bei einfachen Beschwerden und langen Wegen zur nächsten Praxis eine praktische Ergänzung sein. Eine klassische Arztpraxis oder die Notfallversorgung kann er jedoch nicht vollständig ersetzen.

Christian
Redakteur
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