Der Einkauf im Supermarkt ist für viele Haushalte spürbar teurer geworden. Nun zeigt eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes, wie groß der langfristige Preisanstieg tatsächlich ist: Von Januar 2020 bis Juni 2025 erhöhten sich die Preise für Nahrungsmittel in Deutschland insgesamt um 36,3 Prozent. Die allgemeinen Verbraucherpreise stiegen im gleichen Zeitraum dagegen um rund 22 Prozent.
Damit haben sich Lebensmittel seit Anfang 2020 wesentlich stärker verteuert als der durchschnittliche Warenkorb. Besonders deutlich war die Entwicklung bei Geflügelfleisch, zahlreichen Molkereiprodukten, Eiern, Speisefetten, Speiseölen und Zucker.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
Die verwendeten Daten stammen aus einer Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes zur Preisentwicklung von Nahrungsmitteln zwischen Januar 2020 und Juni 2025.
| Kennzahl | Entwicklung |
|---|---|
| Lebensmittelpreise von Januar 2020 bis Juni 2025 | +36,3 % |
| Allgemeine Verbraucherpreise im gleichen Zeitraum | rund +22 % |
| Unterschied zwischen beiden Entwicklungen | 14,3 Prozentpunkte |
| Lebensmittelpreise im Juni 2025 gegenüber Juni 2024 | +2,0 % |
Die langfristige Entwicklung lässt sich mit einem einfachen Beispiel verdeutlichen: Ein repräsentativer Lebensmittel-Warenkorb, der im Januar 2020 rechnerisch 100 Euro gekostet hat, hätte im Juni 2025 rund 136,30 Euro gekostet. Ein entsprechend zusammengesetzter Warenkorb der allgemeinen Lebenshaltung hätte sich im selben Zeitraum rechnerisch auf etwa 122 Euro verteuert.
Die Differenz beträgt damit 14,30 Euro je 100 Euro Ausgangswert. Das bedeutet nicht, dass jeder persönliche Einkauf exakt 36,3 Prozent teurer geworden ist. Wie stark ein einzelner Haushalt betroffen ist, hängt davon ab, welche Produkte er regelmäßig kauft.
Diese Lebensmittelgruppen wurden besonders teuer
Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums fiel die Preissteigerung in mehreren Bereichen besonders kräftig aus. Dazu gehören:
Geflügelfleisch: Hähnchen, Pute und andere Geflügelprodukte gehören zu den Warengruppen, bei denen die Preise seit Anfang 2020 besonders deutlich gestiegen sind.
Molkereiprodukte und Eier: Milchprodukte, Käse, Quark, Butter und Eier waren in den vergangenen Jahren wiederholt von starken Preisbewegungen betroffen.
Speisefette und Speiseöle: Unter anderem höhere Rohstoff-, Energie- und Produktionskosten führten zeitweise zu erheblichen Preissprüngen. Innerhalb dieser Gruppe können die Preise einzelner Produkte allerdings sehr unterschiedlich verlaufen.
Zucker: Auch Zucker und zuckerhaltige Erzeugnisse haben sich im längerfristigen Vergleich stark verteuert.
Geringer fiel der Anstieg laut Ministerium bei Obst, Fisch, Fischwaren, Meeresfrüchten, Getränken und Fertiggerichten aus. „Geringer“ bedeutet in diesem Zusammenhang jedoch nicht automatisch, dass diese Produkte günstiger geworden sind. Sie verteuerten sich lediglich weniger stark als die besonders betroffenen Warengruppen.
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht in der zugrunde liegenden Sonderauswertung zahlreiche Einzelindizes. Die öffentlich wiedergegebene Antwort des Ministeriums nennt für die hervorgehobenen Produktgruppen jedoch keine einheitlichen zusätzlichen Prozentwerte. Deshalb sollte man den belastbaren Gesamtwert von 36,3 Prozent nicht ohne Datengrundlage auf einzelne Produkte übertragen.
Warum die niedrigere Inflation den Einkauf nicht wieder billiger macht
Die Inflationsrate beschreibt, wie stark sich Preise gegenüber einem früheren Vergleichszeitraum verändert haben. Eine sinkende Inflationsrate bedeutet deshalb nicht, dass das Preisniveau automatisch auf den Stand von 2020 zurückkehrt.
Im Juni 2025 lagen die Lebensmittelpreise nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2,0 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Der Preisanstieg war damit wesentlich schwächer als in den Hochinflationsjahren 2022 und 2023. Dennoch erfolgte dieser erneute Anstieg auf einem bereits deutlich erhöhten Preisniveau.
Ein vereinfachtes Beispiel:
Steigt ein Produkt zunächst von 1,00 Euro auf 1,30 Euro und im darauffolgenden Jahr um weitere zwei Prozent, kostet es anschließend rund 1,33 Euro. Die Teuerung hat sich zwar verlangsamt, der frühere Preis von 1,00 Euro wird dadurch aber nicht wieder erreicht.
Genau aus diesem Grund empfinden viele Verbraucher den Einkauf weiterhin als teuer, obwohl die monatlich gemeldeten Inflationsraten inzwischen erheblich niedriger ausfallen als während der Energie- und Preiskrise.
Was hinter den Preissteigerungen steckt
Die Entwicklung der Lebensmittelpreise lässt sich nicht auf eine einzige Ursache reduzieren. In den vergangenen Jahren wirkten mehrere Faktoren gleichzeitig:
Gestiegene Energiepreise verteuerten zeitweise Produktion, Kühlung, Verarbeitung und Transport. Hinzu kamen höhere Preise für Agrarrohstoffe, Düngemittel, Verpackungen und Futtermittel. Auch Ernteausfälle, ungünstige Wetterbedingungen und Störungen internationaler Lieferketten können einzelne Warengruppen verteuern.
Allerdings müssen sinkende Rohstoff- oder Energiepreise nicht sofort und vollständig bei den Verbrauchern ankommen. Zwischen landwirtschaftlicher Erzeugung und Supermarktregal liegen Verarbeitung, Verpackung, Logistik, Großhandel und Einzelhandel. Auf jeder Stufe entstehen weitere Kosten und werden Preise neu verhandelt.
Verbraucherschützer fordern deshalb mehr Transparenz bei der Preisbildung. Foodwatch verweist darauf, dass Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland zusammen einen sehr großen Teil des deutschen Lebensmittelhandels kontrollieren. Die Organisation fordert eine staatliche Preisbeobachtungsstelle, die Preisentwicklungen entlang der Lieferkette systematisch untersucht.
So könnt Ihr trotz hoher Lebensmittelpreise sparen
Die langfristige Preisentwicklung können einzelne Haushalte nicht beeinflussen. Beim eigenen Einkauf gibt es dennoch mehrere Möglichkeiten, die Ausgaben zu reduzieren.
Eigenmarken gezielt vergleichen
Eigenmarken sind häufig deutlich günstiger als bekannte Markenprodukte. Sie müssen qualitativ nicht automatisch schlechter sein. Allerdings bedeutet derselbe Hersteller nicht zwingend, dass Rezeptur, Zutaten und Qualität identisch sind. In unserem Ratgeber zeigen wir, wann sich No-Name-Produkte lohnen und worauf Ihr beim Vergleich achten solltet.
Mahlzeiten vor dem Einkauf planen
Ein Wochenplan hilft dabei, nur die tatsächlich benötigten Lebensmittel einzukaufen. Dadurch sinkt das Risiko, dass spontane Käufe oder ungenutzte Zutaten das Haushaltsbudget belasten. Konkrete Strategien findet Ihr in unserem Ratgeber zum günstigen Kochen und Meal Prep mit festem Wochenbudget.
Wochenangebote mehrerer Händler prüfen
Bei regelmäßig benötigten Produkten kann sich ein Vergleich der aktuellen Aktionen lohnen. Preis-King sammelt unter anderem die derzeit verfügbaren Angebote von Aldi, Lidl-Schnäppchen und Rabattaktionen sowie aktuelle Angebote von Rewe.
Wichtig ist dabei, nicht allein wegen eines Rabatts mehr einzukaufen. Ein Sonderangebot spart nur dann Geld, wenn Ihr das Produkt tatsächlich benötigt und vollständig verbraucht.
Bonusprogramme sinnvoll einsetzen
Kundenkarten, Apps und Coupons können den Einkauf zusätzlich verbilligen. Dabei unterscheiden sich die Programme der Händler deutlich. Welche Supermärkte am Payback-Programm teilnehmen und welche Alternativen Aldi, Lidl oder Kaufland anbieten, erfahrt Ihr in unserer Übersicht zum Sammeln von Payback-Punkten im Supermarkt.
MHD-Shops und Lebensmittelretter berücksichtigen
Produkte mit kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum, Verpackungswechsel oder Überbestände werden in spezialisierten Märkten häufig günstiger angeboten. Unsere Übersicht zeigt Euch MHD-Shops, Lebensmittelretter-Läden und Food-Outlets in Deutschland.
Dabei muss zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum unterschieden werden. Während viele Lebensmittel auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch einwandfrei sein können, sollten empfindliche Produkte nach überschrittenem Verbrauchsdatum nicht mehr gegessen werden.
Wie stark ist ein Haushalt tatsächlich betroffen?
Der statistische Gesamtanstieg von 36,3 Prozent bildet die durchschnittliche Preisentwicklung eines festgelegten Warenkorbs ab. Die persönliche Belastung kann davon deutlich abweichen.
Wer häufig Eier, Molkereiprodukte, Geflügel, Speiseöle oder zuckerhaltige Produkte kauft, dürfte den Anstieg stärker spüren. Haushalte, die überwiegend saisonales Obst und Gemüse, günstige Grundnahrungsmittel und Eigenmarken verwenden, können eine andere persönliche Preisentwicklung erleben.
Auch die Haushaltsgröße spielt eine Rolle. Bei einem Lebensmittelbudget von 300 Euro pro Monat entspricht bereits eine dauerhafte Mehrbelastung von zehn Prozent zusätzlichen Ausgaben von 30 Euro. Auf ein Jahr gerechnet sind das 360 Euro. Bei Familien mit einem höheren monatlichen Einkaufsvolumen fällt der absolute Unterschied entsprechend größer aus.
Forderung nach weniger Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel
Die Linke fordert neben einer stärkeren Überwachung des Lebensmittelmarktes die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Für viele Lebensmittel gilt in Deutschland derzeit der ermäßigte Umsatzsteuersatz von sieben Prozent.
Eine Senkung auf null Prozent könnte ausgewählte Produkte rechnerisch verbilligen. Ob die Entlastung vollständig bei den Verbrauchern ankommt, hängt allerdings davon ab, ob Händler die Steuerersparnis in voller Höhe an ihre Kunden weitergeben. Zudem wäre zu klären, welche Produkte genau als Grundnahrungsmittel eingestuft würden.
Fazit: Lebensmittel bleiben deutlich teurer als 2020
Die Zahlen zeigen eine langfristige Verschiebung des Preisniveaus: Zwischen Januar 2020 und Juni 2025 verteuerten sich Nahrungsmittel in Deutschland um 36,3 Prozent. Die allgemeinen Verbraucherpreise stiegen im selben Zeitraum um etwa 22 Prozent.
Auch wenn sich die laufende Teuerung inzwischen abgeschwächt hat, bleiben die Preise auf einem hohen Niveau. Eine niedrige monatliche oder jährliche Inflationsrate macht die Preissteigerungen der vergangenen Jahre nicht rückgängig.
Für Verbraucher lohnt es sich deshalb, Eigenmarken und Markenprodukte zu vergleichen, Mahlzeiten vorzuplanen, Händlerangebote gezielt zu prüfen und Bonusprogramme nur dort einzusetzen, wo sie einen echten Preisvorteil bringen.
Datenstand: Die langfristigen Angaben beruhen auf der Destatis-Sonderauswertung für Januar 2020 bis Juni 2025. Spätere Preisentwicklungen sind in dem Gesamtwert von 36,3 Prozent nicht enthalten.

Christian
Redakteur
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