Briefe verschicken könnte ab Januar 2027 deutlich teurer werden. Die Bundesnetzagentur hat einen Entwurf veröffentlicht, nach dem die Deutsche Post ihre Portopreise für Briefe und Postkarten um durchschnittlich 20,35 Prozent erhöhen dürfte. Damit könnte der klassische Standardbrief erstmals die Marke von einem Euro überschreiten. Auch beim Paketversand stehen höhere Preise im Raum.
Für Euch bedeutet das: Wer regelmäßig Briefe verschickt, Grußkarten versendet oder Pakete aufgibt, muss sich möglicherweise auf zusätzliche Kosten einstellen. Noch sind die neuen Preise allerdings nicht endgültig beschlossen.
Briefporto 2027: Bundesnetzagentur sieht deutliche Preiserhöhung vor
Die Deutsche Post steht vor einer möglicherweise historischen Portoerhöhung. Nach dem am 12. Oktober 2026 bekannt gewordenen Entwurf der Bundesnetzagentur könnte der durchschnittliche Preis für Briefe und Postkarten um 20,35 Prozent steigen.
Der vorgeschlagene Preiserhöhungsspielraum bezieht sich auf die Regulierungsperiode vom 1. Januar 2027 bis zum 31. Dezember 2028. Es handelt sich also nicht um eine jährliche Erhöhung von jeweils 20,35 Prozent.
Zum Vergleich: Bei der letzten Anpassung Anfang 2025 lag der durchschnittliche Erhöhungsspielraum bei 10,48 Prozent. Die jetzt vorgesehene Anhebung wäre damit nahezu doppelt so hoch.
Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen dem geplanten Spielraum und den späteren Briefpreisen.
Die 20,35 Prozent gelten für den Durchschnitt der betroffenen Brief- und Postkartenprodukte. Die Deutsche Post kann die Erhöhungen innerhalb dieses Rahmens unterschiedlich auf die einzelnen Versandarten verteilen.
Ein Standardbrief muss deshalb nicht zwangsläufig genau 20,35 Prozent teurer werden.
Was könnte ein Standardbrief ab 2027 kosten?
Aktuell bezahlt Ihr für einen Standardbrief innerhalb Deutschlands 0,95 Euro. Dieser Preis gilt für Sendungen bis 20 Gramm, die die vorgeschriebenen Maße einhalten.
Würde die Deutsche Post den geplanten Erhöhungsspielraum gleichmäßig auf den Standardbrief übertragen, ergäbe sich rechnerisch ein neues Porto von rund 1,14 Euro.
Bei einer Rundung auf übliche Preisstufen wäre beispielsweise auch ein Betrag von 1,15 Euro denkbar. Ein verbindlicher neuer Tarif liegt jedoch noch nicht vor.
Die aktuellen Briefpreise 2026 im Überblick
| Versandart | Aktuelles Porto |
|---|---|
| Standardbrief bis 20 g | 0,95 € |
| Kompaktbrief bis 50 g | 1,10 € |
| Großbrief bis 500 g | 1,80 € |
| Maxibrief bis 1.000 g | 2,90 € |
| Postkarte | 0,95 € |
Quelle: Deutsche Post – Brief- und Postkartenporto 2026.
Die Tabelle zeigt ausschließlich die derzeit gültigen Preise. Wie hoch die einzelnen Tarife ab 2027 ausfallen, wird erst nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens feststehen.
Gerade beim Kompakt-, Groß- und Maxibrief können sich die Anpassungen voneinander unterscheiden. Eine pauschale Erhöhung sämtlicher Briefarten um denselben Prozentsatz wäre deshalb derzeit spekulativ.
Wie viel mehr würdet Ihr durch das höhere Porto bezahlen?
Auf einen einzelnen Standardbrief bezogen klingen zusätzliche 19 Cent zunächst überschaubar. Wenn Ihr jedoch regelmäßig Briefe verschickt, summieren sich die Mehrkosten.
Nehmen wir als Beispiel an, dass der Standardbrief tatsächlich von 95 Cent auf 1,14 Euro steigt.
| Anzahl Standardbriefe | Bisher | Möglich ab 2027 | Mehrkosten |
|---|---|---|---|
| 10 Briefe | 9,50 € | 11,40 € | 1,90 € |
| 25 Briefe | 23,75 € | 28,50 € | 4,75 € |
| 50 Briefe | 47,50 € | 57,00 € | 9,50 € |
| 100 Briefe | 95,00 € | 114,00 € | 19,00 € |
Rechenbeispiel auf Grundlage eines angenommenen Standardbriefportos von 1,14 Euro. Der endgültige Preis für 2027 steht noch nicht fest.
Für Haushalte, die nur gelegentlich eine Geburtstagskarte oder einen Brief verschicken, bleiben die zusätzlichen jährlichen Ausgaben wahrscheinlich überschaubar.
Anders sieht es aus, wenn Ihr regelmäßig Dokumente, Rechnungen, Einladungen oder andere Unterlagen per Post versenden müsst.
Auch kleine Unternehmen, Vereine und Selbstständige könnten die Anpassung deutlicher spüren. Bei mehreren Hundert oder Tausend Sendungen pro Jahr wirken sich schon wenige Cent zusätzlich auf das Versandbudget aus.
Warum soll das Briefporto so stark steigen?
Hinter der möglichen Portoerhöhung steht ein grundlegendes Problem: In Deutschland werden immer weniger klassische Briefe verschickt.
Viele Rechnungen kommen inzwischen per E-Mail. Verträge werden digital abgeschlossen und Kontoauszüge online abgerufen. Auch private Mitteilungen laufen überwiegend über Messenger und andere digitale Kommunikationswege.
Nach den im Zusammenhang mit dem Verfahren veröffentlichten Angaben sank das Briefaufkommen von rund 16,9 Milliarden Sendungen im Jahr 2005 auf geschätzt etwa 9,4 Milliarden im Jahr 2025.
Das bedeutet einen Rückgang um ungefähr 44 Prozent innerhalb von zwei Jahrzehnten.
Gleichzeitig muss die Deutsche Post weiterhin ein flächendeckendes Zustellnetz betreiben. Briefkästen, Sortierzentren, Personal, Fahrzeuge und Zustellwege verursachen Kosten, auch wenn die Zahl der Sendungen sinkt.
Zusätzlicher Kostendruck entsteht beispielsweise durch Personalaufwendungen und den Betrieb der Infrastruktur.
Die entscheidende wirtschaftliche Schwierigkeit: Weniger Briefe müssen einen großen Teil der weiterhin vorhandenen Kosten tragen.
Die Bundesnetzagentur berücksichtigt solche Entwicklungen bei ihrer Preisregulierung. Sie übernimmt dabei aber nicht automatisch sämtliche Preiswünsche der Deutschen Post, sondern prüft die geltend gemachten Kosten.
Auch Pakete könnten 2027 teurer werden
Nicht nur beim Briefporto zeichnet sich eine Veränderung ab. Für den betroffenen Paketbereich sieht der Entwurf der Bundesnetzagentur einen möglichen durchschnittlichen Erhöhungsspielraum von 10,72 Prozent vor.
Ob und in welchem Umfang die Deutsche Post beziehungsweise DHL einzelne Paketprodukte verteuert, ist noch offen.
Für Euch als Verbraucher ist das besonders dann interessant, wenn Ihr häufig:
- private Pakete an Familie und Freunde verschickt,
- gebrauchte Artikel über Kleinanzeigen oder andere Verkaufsplattformen verkauft,
- selbst bezahlte Rücksendungen aufgebt,
- Weihnachtsgeschenke oder größere Sendungen versendet.
Eine pauschale Verteuerung jedes DHL-Pakets um exakt 10,72 Prozent lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Auch hier kommt es auf die spätere konkrete Preisgestaltung an.
Außerdem gilt: Versandkosten von Online-Shops müssen nicht automatisch im gleichen Umfang steigen. Händler können eigene Versandverträge und Konditionen haben oder einen Teil der Versandkosten selbst übernehmen.
Wie sich Regeln und Tarife beim Paketversand zuletzt verändert haben, könnt Ihr auch in unserem Ratgeber zu den Änderungen im Paketversand ab 2025 nachlesen. Die dort aufgeführten Preise beziehen sich auf den damaligen Stand.
Was passiert mit bereits gekauften Briefmarken?
Habt Ihr noch einen Vorrat an Briefmarken zu 95 Cent zu Hause? Dann müsst Ihr Euch wegen einer möglichen Portoerhöhung zunächst keine Sorgen machen.
Klassische deutsche Euro-Briefmarken verlieren nicht automatisch ihre Gültigkeit, wenn das Porto steigt.
Nach Angaben der Deutschen Post bleiben grundsätzlich die seit 2002 ausgegebenen gültigen Briefmarken mit dem Aufdruck „Deutschland“ unbegrenzt verwendbar. Auch bestimmte ältere Briefmarken mit doppelter Pfennig- und Euro-Wertangabe sind weiterhin gültig.
Wenn das erforderliche Porto steigt, könnt Ihr gültige Marken mit passenden zusätzlichen Briefmarken oder Ergänzungsmarken auf den benötigten Wert bringen.
Ein Beispiel: Sollte der Standardbrief künftig 1,15 Euro kosten, würden zu einer vorhandenen 95-Cent-Briefmarke weitere 20 Cent Porto fehlen.
Wichtig: Dieses Beispiel ist noch keine Ankündigung einer offiziellen 20-Cent-Ergänzungsmarke für 2027.
Achtet außerdem darauf, dass Ihr unterschiedliche Frankierungsarten nicht unzulässig miteinander kombiniert. Klassische Briefmarken und ausgedruckte Internetmarken dürfen beispielsweise nicht einfach beliebig zusammengemischt werden.
Weitere Informationen findet Ihr direkt bei der Deutschen Post zur Gültigkeit und richtigen Frankierung von Briefmarken.
Ein großer Vorratskauf alter Briefmarken bringt Euch daher normalerweise keinen finanziellen Vorteil: Entscheidend bleibt der aufgedruckte Wert, nicht der Zeitpunkt des Kaufs.
Wann stehen die endgültigen Portopreise für 2027 fest?
Derzeit handelt es sich um einen veröffentlichten Entwurf im regulatorischen Verfahren.
Zunächst können sich Beteiligte im vorgesehenen Anhörungsverfahren zu den geplanten Vorgaben äußern.
Anschließend legt die Bundesnetzagentur den zulässigen Preiserhöhungsspielraum endgültig fest.
Erst danach bestimmt die Deutsche Post, welche konkreten Beträge sie künftig für Standardbriefe, Kompaktbriefe, Großbriefe, Postkarten und andere betroffene Produkte verlangen möchte.
Diese Preise werden wiederum durch die Bundesnetzagentur geprüft.
Vorgesehener Beginn der neuen Preisperiode ist der 1. Januar 2027.
Bis neue Portopreise offiziell bekannt gegeben und genehmigt sind, gelten weiterhin die bisherigen Tarife.
So könnt Ihr beim Brief- und Paketversand Kosten vermeiden
Auch wenn sich eine Portoerhöhung nicht vollständig umgehen lässt, gibt es einige Möglichkeiten, unnötige Versandkosten zu reduzieren.
Richtige Briefgröße und Gewicht auswählen
Prüft vor dem Versand, ob Eure Sendung tatsächlich einen größeren Briefumschlag benötigt. Ein Standardbrief darf beispielsweise höchstens 20 Gramm wiegen und nur bestimmte Abmessungen haben.
Ein unnötig großer oder schwerer Umschlag kann dazu führen, dass Ihr statt eines Standardbriefs einen Kompakt- oder Großbrief benötigt.
Digitale Alternativen nutzen
Viele Unterlagen lassen sich inzwischen digital übermitteln. Ob das sinnvoll und zulässig ist, hängt vom jeweiligen Dokument und den Anforderungen des Empfängers ab.
Bei gewöhnlichen Mitteilungen kann eine E-Mail ausreichen. Für bestimmte rechtlich relevante Erklärungen oder Dokumente gelten dagegen besondere Anforderungen, die Ihr beachten müsst.
Paketpreise vor dem Kauf des Versandlabels vergleichen
Wenn Ihr privat ein Paket verschickt, lohnt es sich, die verfügbaren Versandarten zu vergleichen. Je nach Größe, Gewicht, Versicherung und Zustelloption können unterschiedliche Angebote infrage kommen.
Achtet darauf, dass Ihr nicht nur den günstigsten Grundpreis betrachtet, sondern auch mögliche Zuschläge und den benötigten Leistungsumfang.
Wenn ein Paket bereits unterwegs ist, könnt Ihr anschließend unsere DHL Sendungsverfolgung nutzen.
Keine Briefmarken aus Angst vor der Erhöhung hamstern
Da vorhandene gültige Euro-Briefmarken ihren aufgedruckten Portowert behalten, entsteht durch das bloße Vorratskaufen kein Preisvorteil für spätere Sendungen.
Sinnvoller ist es, zunächst die offiziellen Tarife abzuwarten und anschließend bei Bedarf mit passenden Marken aufzufrankieren.
Fazit: Der Standardbrief könnte 2027 die 1-Euro-Grenze überschreiten
Die geplante Portoerhöhung 2027 könnte für die Deutsche Post und ihre Kunden einen deutlichen Einschnitt bedeuten. Mit einem vorgesehenen durchschnittlichen Preiserhöhungsspielraum von 20,35 Prozent steht eine außergewöhnlich starke Anpassung bevor.
Besonders auffällig ist die mögliche Entwicklung beim Standardbrief: Statt derzeit 95 Cent könnten künftig rechnerisch rund 1,14 Euro fällig werden.
Noch ist dieser Betrag allerdings nicht beschlossen. Die genauen Preise und die Verteilung der Erhöhungen auf einzelne Versandarten stehen aus.
Für Euch besteht deshalb aktuell kein Grund, vorschnell Briefmarken zu kaufen oder größere Änderungen vorzunehmen. Sobald die endgültigen Tarife vorliegen, lässt sich genauer beurteilen, welche Mehrkosten tatsächlich entstehen.
Wie seht Ihr die geplante Portoerhöhung? Sind die steigenden Kosten für Euch nachvollziehbar oder findet Ihr, dass Briefe inzwischen zu teuer werden? Schreibt uns Eure Meinung in die Kommentare!

Christian Schröder
Gründer & Redakteur
Expertise: Deals, Gutscheine, Preisvergleiche, Verbraucher-News, Mobilfunk und Onlinehandel. Christian Schröder prüft Aktionsbedingungen, Vergleichspreise, Versandkosten und mögliche Folgekosten und bereitet relevante Informationen verständlich für Leser auf.
Christian Schröder ist seit 2016 bei Preis-King tätig und schreibt dort täglich über Angebote, Verbraucher-News, Produktrückrufe, Mobilfunk, Technik und aktuelle Entwicklungen im Onlinehandel. Zuvor betreute er bereits weitere Blogs und ist auch heute noch an verschiedenen redaktionellen Projekten beteiligt.
Durch seine Ausbildung zum Immobilienkaufmann verfügt er zusätzlich über Erfahrung in den Bereichen Verträge, Kosten, Finanzierung und wirtschaftliche Zusammenhänge. Bei Preis-King prüft und bewertet er unter anderem Aktionsbedingungen, Vergleichspreise, Versandkosten und mögliche Folgekosten.
Sein Ziel ist es, Informationen verständlich einzuordnen und Leser frühzeitig auf relevante Änderungen, Einschränkungen und mögliche Preisfallen hinzuweisen.

