Temu, Shein und AliExpress verlieren 35,5 % Umsatz: Was der EU-Zoll für Euch ändert

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Wer regelmäßig bei Temu, Shein oder AliExpress bestellt, dürfte diese Entwicklung besonders interessant finden: Die drei Shoppingplattformen haben in Deutschland im dritten Quartal 2026 zusammen 35,5 Prozent weniger Umsatz erzielt als ein Jahr zuvor. Als wesentlichen Grund nennt der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) die neuen EU-Zollregeln für günstige Importwaren.

Und die nächste Änderung steht bereits bevor. Ab dem 1. November 2026 kommt eine zusätzliche EU-Bearbeitungsgebühr von 2 Euro je zollrechtlicher Warenposition hinzu. Damit stellt sich für Schnäppchenjäger die Frage, ob sich günstige Bestellungen aus China künftig noch genauso lohnen.

Temu, Shein und AliExpress: Umsatz sinkt auf 566 Millionen Euro

Die Zahlen des Branchenverbands zeigen, wie deutlich sich die Entwicklung verändert hat. Während internationale Billigplattformen den deutschen Onlinehandel lange mit starkem Wachstum aufgemischt haben, mussten die drei großen Anbieter zuletzt erhebliche Rückgänge hinnehmen.

Laut der am 8. Oktober 2026 veröffentlichten bevh-Erhebung ergibt sich für das dritte Quartal folgendes Bild:

  • 566 Millionen Euro Umsatz erzielten Temu, Shein und AliExpress zusammen in Deutschland.
  • 35,5 Prozent Umsatzrückgang gegenüber dem dritten Quartal 2025.
  • 3,1 Prozent Marktanteil im deutschen Onlinehandel.
  • Im zweiten Quartal 2026 hatte ihr gemeinsamer Marktanteil noch bei 5,3 Prozent gelegen.

Wichtig ist die Einordnung: Die Umsatzzahlen beziehen sich auf alle drei Plattformen zusammen. Wie stark Temu, Shein und AliExpress jeweils einzeln betroffen sind, lässt sich daraus nicht ableiten.

Die Daten stammen aus einer Verbraucherbefragung des Branchenverbands. Sie sind also keine veröffentlichten Einzelumsätze der Unternehmen.

Der restliche Onlinehandel entwickelt sich deutlich besser

Besonders auffällig wird der Rückgang beim Vergleich mit dem gesamten deutschen E-Commerce.

Dieser legte im dritten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nominal um 2,9 Prozent auf rund 18,5 Milliarden Euro zu. Zwar verlor der Gesamtmarkt gegenüber dem vorangegangenen Quartal an Wachstumstempo, ein Einbruch wie bei den drei asiatischen Shoppingplattformen blieb jedoch aus.

Bemerkenswert: Nach Angaben des bevh konnten deutsche Anbieter nicht automatisch von der Schwäche der internationalen Niedrigpreisplattformen profitieren.

Ein Umsatzrückgang bei Temu und Co. bedeutet also nicht zwangsläufig, dass dieselben Kunden ihre Einkäufe nun bei deutschen Händlern tätigen.

Warum Temu und Shein unter Druck geraten

Eine wesentliche Veränderung trat bereits am 1. Juli 2026 in Kraft. Seitdem gilt für bestimmte Kleinsendungen aus Nicht-EU-Staaten ein neuer pauschaler Zollsatz.

Zuvor konnten Waren mit einem Wert von höchstens 150 Euro grundsätzlich zollfrei eingeführt werden. Diese Befreiung wurde abgeschafft und durch eine Übergangsregelung ersetzt.

Das trifft ein Geschäftsmodell, bei dem viele Bestellungen aus vergleichsweise günstigen Einzelprodukten bestehen.

Ein Ladekabel für wenige Euro, ein modisches Accessoire oder günstige Haushaltsartikel können durch zusätzliche Importabgaben ihren bisherigen Preisvorteil teilweise verlieren.

Der Branchenverband sieht in den höheren Abgaben einen wichtigen Grund für die rückläufigen Umsätze.

Allerdings lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen nicht exakt bestimmen, welcher Anteil des Rückgangs unmittelbar durch die Zollreform verursacht wurde. Auch das veränderte Kaufverhalten und die allgemeine Konsumstimmung können eine Rolle spielen.

Seit Juli 2026: So funktioniert der neue 3-Euro-Zoll

Bei der neuen Abgabe gibt es ein wichtiges Detail, das leicht missverstanden wird.

Die 3 Euro fallen nicht grundsätzlich einmal pro Paket oder für jedes einzelne gekaufte Produkt an. Entscheidend sind die unterschiedlichen zollrechtlichen Warenpositionen innerhalb einer Sendung.

Ein einfaches Beispiel:

Bestellt Ihr mehrere identische T-Shirts, die gemeinsam unter dieselbe Zollposition fallen und in einer Sendung eingeführt werden, kann eine Abgabe von insgesamt 3 Euro entstehen.

Enthält das Paket dagegen ein T-Shirt und eine Uhr, können wegen der unterschiedlichen Zollpositionen insgesamt 6 Euro anfallen.

Auch bei mehreren Bestellungen oder Teillieferungen kann die Berechnung anders ausfallen, weil getrennte Sendungen grundsätzlich getrennt betrachtet werden.

Die Übergangsregelung mit dem festen 3-Euro-Satz gilt nach aktuellem EU-Recht bis zum 1. Juli 2028. Danach sollen die regulären Zolltarife greifen.

Einen allgemeinen Überblick findet Ihr auch in unserem Preis-King-Ratgeber zu den EU-Zollregeln für Online-Bestellungen 2026.

Ab November 2026 kommen weitere 2 Euro Bearbeitungsgebühr hinzu

Für Kunden internationaler Shoppingplattformen steht bereits die nächste Veränderung an.

Die Europäische Kommission hat eine zusätzliche EU-Bearbeitungsgebühr von 2 Euro bestätigt, die ab dem 1. November 2026 angewendet werden soll.

Diese Gebühr ist ausdrücklich vom bestehenden 3-Euro-Zoll zu unterscheiden. Sie soll einen Teil der Kosten decken, die den Zollbehörden bei der Bearbeitung, Prüfung und Überwachung von Importsendungen entstehen.

Wie aus dem offiziellen EU-Leitfaden zur Zollpauschale und Bearbeitungsgebühr hervorgeht, wird auch die neue Gebühr pro zollrechtlicher Warenposition erhoben.

Dabei gibt es einen weiteren Unterschied:

Die 2-Euro-Bearbeitungsgebühr kann auch bei Fernabsatzimporten mit einem Warenwert von mehr als 150 Euro anfallen. Die Grenze von 150 Euro gilt für die vorübergehende 3-Euro-Zollpauschale, nicht für diese zusätzliche Bearbeitungsgebühr.

Rechenbeispiel: Was bedeuten 3 Euro Zoll plus 2 Euro Gebühr?

Wie sich die beiden Abgaben auswirken können, zeigt eine vereinfachte Beispielrechnung für eine direkt aus China eingeführte Bestellung mit einem Warenwert von 10 Euro.

Kostenposition Eine Warenposition Zwei Warenpositionen
Beispielhafter Warenwert 10,00 € 10,00 €
Zoll seit Juli 3,00 € 6,00 €
Bearbeitungsgebühr ab November 2,00 € 4,00 €
Summe der beiden Abgaben 5,00 € 10,00 €

Die Rechnung zeigt die beiden EU-Abgaben für entsprechend eingestufte Sendungen. Sie stellt keinen automatisch zu zahlenden Endkundenpreis dar. Einfuhrumsatzsteuer, andere Kosten und die konkrete zollrechtliche Einordnung sind hier nicht berücksichtigt.

Die Abgaben werden im Einfuhrprozess abgewickelt. Plattformen beziehungsweise beteiligte Unternehmen sind für die ordnungsgemäße Erfüllung der Zollpflichten verantwortlich.

Ob und in welcher Höhe sie die Kosten anschließend über Warenpreise, Versandgebühren oder andere Konditionen an Euch weitergeben, hängt von ihrer Preisgestaltung ab.

Bei einer sehr günstigen Bestellung können solche zusätzlichen Kosten wirtschaftlich stärker ins Gewicht fallen als bei einem hochpreisigen Produkt.

Werden Bestellungen bei Temu, Shein und AliExpress automatisch teurer?

Nein, zumindest lässt sich das nicht pauschal für jede Bestellung behaupten.

Internationale Shoppingplattformen haben grundsätzlich mehrere Möglichkeiten, auf die veränderten Importkosten zu reagieren.

Sie können ihre eigenen Margen reduzieren, Preise anpassen, Mindestbestellwerte verändern oder verstärkt auf Waren zurückgreifen, die bereits ordnungsgemäß in die EU eingeführt wurden.

Für Euch zählt deshalb vor allem der tatsächliche Endpreis beim Bezahlen.

Macht ein EU-Lager einen Unterschied?

Ja, allerdings kommt es auf den zollrechtlichen Status der Ware an.

Wenn ein Produkt bereits ordnungsgemäß in die EU eingeführt und zum freien Verkehr überlassen wurde, fällt bei der anschließenden Lieferung aus einem EU-Lager grundsätzlich keine erneute Einfuhrabgabe für genau diese Ware an.

Anders kann die Situation bei Waren in einem Zolllager aussehen, die noch nicht zum freien Verkehr abgefertigt wurden.

Die bloße Angabe „Versand aus Europa“ ist deshalb kein verlässlicher Beweis dafür, dass sämtliche Zollformalitäten bereits abgeschlossen sind.

Entscheidend ist, ob die Ware beim Versand an Euch noch eingeführt werden muss oder bereits im freien Warenverkehr der EU ist.

Für weitere Hintergründe zu den neuen Importkosten findet Ihr unseren Ratgeber zur EU-Paketgebühr ab November.

Was bedeutet die Entwicklung für deutsche Schnäppchenjäger?

Dass Temu, Shein und AliExpress insgesamt weniger Umsatz erzielen, bedeutet nicht, dass günstige Angebote auf diesen Plattformen verschwinden.

Ihr solltet aber genauer hinschauen, bevor Ihr wegen eines besonders niedrigen Produktpreises bestellt.

Besonders hilfreich sind diese fünf Punkte:

  1. Endpreis vergleichen: Nicht allein auf den beworbenen Artikelpreis achten, sondern mögliche Versandkosten und Importkosten berücksichtigen.
  2. Versand und Einfuhr prüfen: Schaut nach, von wo die Ware verschickt wird und ob zusätzliche Abgaben bereits im angezeigten Preis enthalten sind.
  3. Gutscheine richtig einordnen: Ein Rabatt lohnt sich nur, wenn der endgültige Kaufpreis tatsächlich günstiger ist als bei anderen Händlern.
  4. Rückgabebedingungen lesen: Gerade bei günstigen Importartikeln können aufwendige oder kostenpflichtige Rücksendungen den Preisvorteil schnell aufheben.
  5. Alternativen vergleichen: Prüft Angebote deutscher und europäischer Händler. Ein etwas höherer Artikelpreis kann sich bei besseren Lieferbedingungen oder geringeren Gesamtkosten durchaus rechnen.

Auch die Qualität und Produktsicherheit bleiben wichtige Kriterien. Die Zollreform verfolgt neben wirtschaftlichen Zielen eine bessere Kontrolle eingeführter Produkte.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Waren aus China grundsätzlich minderwertig sind. Entscheidend sind das konkrete Produkt, seine Eigenschaften, die geltenden Sicherheitsanforderungen und die Zuverlässigkeit des Verkäufers.

Bedeutet der Umsatzrückgang das Ende des Billig-Shoppings aus China?

Dafür gibt es derzeit keine belastbaren Hinweise.

Temu, Shein und AliExpress bleiben weiterhin relevante Anbieter im deutschen Onlinehandel. Die neuen Zahlen zeigen jedoch, dass das bisherige Wachstum der drei Plattformen deutlich gebremst wurde.

Ob sich daraus ein langfristiger Trend entwickelt, werden erst die kommenden Quartale zeigen.

Für den Wettbewerb könnte sich die Lage weiter verändern, wenn Anbieter ihre Versandmodelle anpassen oder zusätzliche Importkosten dauerhaft in ihre Preise einkalkulieren müssen.

Spannend wird deshalb besonders die Entwicklung nach Einführung der 2-Euro-Gebühr im November.

Fazit: Günstig bleibt nicht automatisch günstig

35,5 Prozent weniger Umsatz bei Temu, Shein und AliExpress sind ein deutliches Signal. Die neuen EU-Zölle verändern bereits die wirtschaftlichen Bedingungen für günstige Direktimporte, und ab November kommt die zusätzliche Bearbeitungsgebühr hinzu.

Für Euch heißt das vor allem: Nicht der niedrigste beworbene Preis entscheidet über ein gutes Schnäppchen, sondern der tatsächliche Gesamtpreis inklusive aller Kosten.

Die chinesischen Shoppingplattformen können weiterhin interessante Angebote haben. Ihr bisheriger Preisvorteil sollte aber nicht mehr als selbstverständlich gelten.

Jetzt interessiert uns Eure Meinung: Bestellt Ihr seit Einführung der neuen Zollregeln seltener bei Temu, Shein oder AliExpress? Habt Ihr bereits höhere Preise oder veränderte Versandbedingungen bemerkt? Schreibt Eure Erfahrungen gerne in die Kommentare!

Christian Schröder

Christian Schröder

Gründer & Redakteur

Expertise: Deals, Gutscheine, Preisvergleiche, Verbraucher-News, Mobilfunk und Onlinehandel. Christian Schröder prüft Aktionsbedingungen, Vergleichspreise, Versandkosten und mögliche Folgekosten und bereitet relevante Informationen verständlich für Leser auf.

Christian Schröder ist seit 2016 bei Preis-King tätig und schreibt dort täglich über Angebote, Verbraucher-News, Produktrückrufe, Mobilfunk, Technik und aktuelle Entwicklungen im Onlinehandel. Zuvor betreute er bereits weitere Blogs und ist auch heute noch an verschiedenen redaktionellen Projekten beteiligt.

Durch seine Ausbildung zum Immobilienkaufmann verfügt er zusätzlich über Erfahrung in den Bereichen Verträge, Kosten, Finanzierung und wirtschaftliche Zusammenhänge. Bei Preis-King prüft und bewertet er unter anderem Aktionsbedingungen, Vergleichspreise, Versandkosten und mögliche Folgekosten.

Sein Ziel ist es, Informationen verständlich einzuordnen und Leser frühzeitig auf relevante Änderungen, Einschränkungen und mögliche Preisfallen hinzuweisen.

Zuletzt aktualisiert: 11.10.2026
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