Die Girocard soll ab 2027 deutlich mehr können als das klassische Bezahlen an der Ladenkasse. Geplant sind unter anderem Zahlungen direkt in Händler-Apps sowie eine Funktion, mit der Hotels und Mietwagenanbieter Beträge vorautorisieren können – ein Bereich, in dem bislang häufig eine Kreditkarte verlangt wird. Auch die digitale Altersprüfung soll ausgeweitet werden.
Für Euch bedeutet das vor allem mehr Auswahl. Die Girocard wird dadurch allerdings nicht automatisch zum vollständigen Ersatz für eine Kreditkarte. Ob die neuen Möglichkeiten tatsächlich funktionieren, hängt davon ab, welche Händler, Hotels, Vermieter und Banken sie unterstützen.
Was bei der Girocard ab 2027 neu werden soll
Die Girocard kennt Ihr wahrscheinlich noch unter ihrem alten Alltagsnamen EC-Karte. Sie ist eine Debitkarte: Zahlungen werden grundsätzlich Eurem Girokonto zugeordnet und nicht wie bei einer klassischen Kreditkarte zunächst über einen Kreditrahmen gesammelt.
Genau diese Karte soll nun für Situationen fit gemacht werden, bei denen sie bislang häufiger an technische Grenzen stößt.
Zu den angekündigten Neuerungen gehören:
- Zahlungen direkt innerhalb von Händler-Apps
- Vorautorisierungen für Hotels und Mietwagen
- eine weiterentwickelte digitale Altersprüfung
- eine geplante stärkere Einbindung in bestehende digitale Bezahllösungen
Für In-App-Zahlungen wird derzeit mit einem Start voraussichtlich ab Frühjahr 2027 gerechnet. Für die neue Autorisierungsfunktion im Hotel- und Mietwagenbereich wird ein Marktstart bereits im Laufe beziehungsweise ab Anfang 2027 angestrebt. Ein einheitlicher verbindlicher Termin für alle Anbieter steht jedoch nicht fest.
Hotels und Mietwagen: Genau hier wird es für Euch interessant
Wer schon einmal einen Mietwagen abgeholt hat, kennt das Problem: Selbst wenn das Fahrzeug längst bezahlt ist, verlangt der Anbieter am Schalter häufig noch eine Kreditkarte für die Kaution.
Der entscheidende Punkt ist dabei nicht unbedingt die eigentliche Zahlung. Es geht um die sogenannte Vorautorisierung.
Was bedeutet Vorautorisierung?
Bei einer Vorautorisierung wird ein bestimmter Betrag zunächst reserviert beziehungsweise vorgemerkt. Der endgültig fällige Betrag kann später abgerechnet oder die Reservierung wieder aufgehoben werden.
Genau solche Abläufe sind beispielsweise bei:
Mietwagenkautionen, Hotelreservierungen oder anderen Sicherheitsleistungen
wichtig.
Die Girocard soll künftig eine flexiblere Autorisierung unterstützen. Bei einer Mietwagenbuchung könnte ein Betrag damit zunächst vorgemerkt werden, ohne sofort als endgültige Belastung verbucht zu werden. Bei der Rückgabe des Fahrzeugs würde anschließend entweder der tatsächlich fällige Betrag abgerechnet oder die Vormerkung wieder freigegeben.
Das könnte einen der größten praktischen Unterschiede zwischen Girocard und Kreditkarte verkleinern.
Passend dazu findet Ihr bei Preis-King auch unsere aktuellen Reise-Ratgeber und Tipps für Eure nächste Buchung. Wer bei Hotelbuchungen zusätzlich Bonusprogramme nutzt, sollte außerdem einen Blick darauf werfen, wie sich Miles & More Meilen inzwischen bei Booking.com einsetzen lassen.
Bedeutet das: Ab 2027 braucht Ihr keine Kreditkarte mehr?
So weit sollte man derzeit nicht gehen.
Die neuen Funktionen schaffen zunächst die technische Voraussetzung dafür, dass die Girocard in Situationen eingesetzt werden kann, die bisher häufig einer Kreditkarte vorbehalten waren.
Doch die Technik allein reicht nicht aus.
Ein Hotel oder eine Autovermietung muss:
- die Girocard akzeptieren und
- die neue Autorisierungsfunktion technisch unterstützen.
Genau deshalb kann es auch nach dem Start 2027 Anbieter geben, bei denen Ihr weiterhin eine klassische Kreditkarte benötigt. Insbesondere bei Reisen außerhalb Deutschlands beziehungsweise Europas bleibt die internationale Akzeptanz ein wesentlicher Unterschied. Die Bundesbank weist darauf hin, dass die Girocard als nationales Zahlungssystem außerhalb Deutschlands häufig auf zusätzliche internationale Kartenverfahren angewiesen ist.
Für Reisen gilt deshalb vorerst: Nicht allein darauf vertrauen, dass die Girocard überall eine Kreditkarte ersetzt.
Girocard-Zahlungen direkt in Apps sollen kommen
Die zweite große Änderung betrifft Euer Smartphone.
Ab voraussichtlich Frühjahr 2027 soll die Girocard stärker direkt in Händler-Apps eingebunden werden können. Gespräche laufen laut Euro Kartensysteme unter anderem mit größeren Lebensmittelhändlern. Auch eine Nutzung im Umfeld von PAYBACK Pay ist vorgesehen.
Damit könnte die Girocard künftig stärker dort auftauchen, wo heute unter anderem Kreditkarten, Lastschrift, PayPal oder andere digitale Bezahlverfahren zum Einsatz kommen.
Das Thema passt zu einer Entwicklung, die Ihr im deutschen Onlinehandel bereits beobachten könnt: Neue europäische Bezahlsysteme versuchen, sich direkt in Apps und Checkouts zu integrieren. Bei Preis-King haben wir beispielsweise bereits erklärt, was die Wero-Anzeige im Amazon-Checkout für Euch bedeutet. Auch unser Ratgeber zu Click to Pay zeigt, wie sich Kartenzahlungen im Onlinehandel zunehmend vom klassischen Eingeben langer Kartendaten entfernen.
Händler-Whitelisting soll häufige Zahlungen vereinfachen
Mit den In-App-Zahlungen ist außerdem eine weitere Funktion angekündigt: ein sogenanntes Händler-Whitelisting.
Dabei sollt Ihr einen häufig genutzten Händler als vertrauenswürdig hinterlegen können. Das Ziel: Nicht jede einzelne Transaktion soll anschließend erneut zusätzlich authentifiziert werden müssen.
Die Freigabe soll über die entsprechende Banking- oder Authentifizierungsumgebung erfolgen. Welche Händler diese Möglichkeit letztlich anbieten und wie Banken die Funktion konkret umsetzen, wird sich mit dem Marktstart zeigen.
Auch die digitale Altersprüfung soll ausgeweitet werden
Weniger auffällig, im Alltag aber ebenfalls interessant, ist die geplante Erweiterung der digitalen Alterskontrolle.
Eine elektronische Altersprüfung mit der digitalen Girocard existiert bereits bei bestimmten Zigarettenautomaten. Dieses Prinzip soll perspektivisch auch für weitere altersbeschränkte Waren genutzt werden – beispielsweise beim Kauf von Alkohol an einer Selbstbedienungskasse oder einem Verkaufsautomaten.
Für Euch könnte dadurch bei unterstützten Systemen eine zusätzliche manuelle Alterskontrolle entfallen.
Auch hier gilt allerdings: Nicht jede Supermarktkasse wird mit dem Start automatisch entsprechend ausgerüstet sein.
Knapp 100 Millionen Girocards machen die Änderung relevant
Der Schritt betrifft potenziell sehr viele Verbraucher.
In Deutschland befinden sich nach Angaben aus dem Umfeld der deutschen Kreditwirtschaft rund 100 Millionen Girocards im Umlauf. Damit ist die Karte weiterhin eines der zentralen bargeldlosen Zahlungsmittel des Landes.
Gerade deshalb ist die Erweiterung bemerkenswert: Statt eine komplett neue Bezahlmethode einzuführen, werden Funktionen auf ein Zahlungsmittel gebracht, das viele von Euch bereits im Portemonnaie oder digital auf dem Smartphone haben.
Parallel verändert sich auch das Bezahlen an anderen Stellen. DHL führt beispielsweise neue Möglichkeiten ein, mit denen Ihr bestimmte Gebühren an der Haustür kontaktlos per Girocard, Kreditkarte, Smartphone oder Smartwatch bezahlen könnt.
Die physische Girocard soll vorerst bleiben
Wer jetzt glaubt, dass Banken ihre Plastikkarten ab 2027 komplett abschaffen wollen, muss sich vorerst keine Sorgen machen.
Nach den derzeitigen Planungen soll die physische Girocard weiterhin bestehen bleiben. Eine rein digitale Karte ist technisch zwar denkbar, die Plastikkarte soll aber nicht kurzfristig verschwinden.
Auch zusätzliche Kosten sollen durch die neuen Funktionen nicht grundsätzlich das Ziel sein. Euro Kartensysteme hat erklärt, die Kosteneffizienz des Systems auch bei den Erweiterungen erhalten zu wollen. Welche konkreten Kartenentgelte Eure Bank verlangt, entscheidet allerdings weiterhin das jeweilige Kontomodell.
Girocard, Debitkarte und Kreditkarte bleiben unterschiedliche Produkte
Trotz der neuen Möglichkeiten solltet Ihr die Kartenarten nicht miteinander verwechseln.
Eine Girocard bleibt eine Debitkarte. Eine klassische Kreditkarte funktioniert dagegen üblicherweise über einen eigenen Kreditrahmen beziehungsweise eine spätere Abrechnung.
Das kann vor allem auf Reisen, bei Kautionen, internationalen Buchungen oder Zusatzleistungen relevant bleiben.
Daneben wächst die Auswahl digitaler Debitlösungen. Preis-King hat beispielsweise die virtuelle PayPal Card und ihre Funktionsweise ausführlich vorgestellt.
Ihr solltet deshalb nicht nur darauf schauen, ob auf einer Karte „Debit“ oder „Credit“ steht, sondern vor einer Reise prüfen, welches Zahlungssystem der jeweilige Anbieter tatsächlich akzeptiert.
Noch eine Änderung 2027: Bargeld bekommt eine EU-weite Obergrenze
Die Girocard-Neuerungen fallen in ein Jahr, in dem sich beim Bezahlen ohnehin einiges verändert.
Ab 10. Juli 2027 gilt aufgrund der europäischen Geldwäsche-Verordnung eine EU-weite Obergrenze für bestimmte gewerbliche Barzahlungen von 10.000 Euro. Private Geschäfte sind unter bestimmten Voraussetzungen davon ausgenommen. Was genau gilt, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber zur Bargeld-Grenze ab 2027.
Das hat mit der technischen Weiterentwicklung der Girocard zwar unmittelbar nichts zu tun. Beide Entwicklungen zeigen aber, wie schnell sich die Zahlungslandschaft derzeit verändert.
Fazit: Die Girocard wird vielseitiger – die Kreditkarte bleibt vorerst relevant
Für viele von Euch könnten die Änderungen ab 2027 tatsächlich einen spürbaren Unterschied machen. In-App-Zahlungen, eine flexiblere Vorautorisierung für Hotels und Mietwagen sowie die ausgeweitete digitale Altersprüfung schließen mehrere Lücken, die die Girocard bislang gegenüber internationalen Kartenlösungen hatte.
Besonders interessant ist die neue Autorisierungsfunktion: Wenn Hotels und Mietwagenfirmen sie unterstützen, könnte die Girocard künftig in Situationen funktionieren, für die Ihr heute noch häufig eine Kreditkarte bereithalten müsst.
Der wichtigste Haken bleibt die Akzeptanz. Die Funktionen müssen nicht nur technisch verfügbar sein, sondern von Banken, Händlern und Dienstleistern tatsächlich umgesetzt werden. Für internationale Reisen und Anbieter, die weiterhin ausschließlich klassische Kreditkarten akzeptieren, solltet Ihr deshalb auch 2027 eine Alternative einplanen.

Christian Schröder
Gründer & Redakteur
Expertise: Deals, Gutscheine, Preisvergleiche, Verbraucher-News, Mobilfunk und Onlinehandel. Christian Schröder prüft Aktionsbedingungen, Vergleichspreise, Versandkosten und mögliche Folgekosten und bereitet relevante Informationen verständlich für Leser auf.
Christian Schröder ist seit 2016 bei Preis-King tätig und schreibt dort täglich über Angebote, Verbraucher-News, Produktrückrufe, Mobilfunk, Technik und aktuelle Entwicklungen im Onlinehandel. Zuvor betreute er bereits weitere Blogs und ist auch heute noch an verschiedenen redaktionellen Projekten beteiligt.
Durch seine Ausbildung zum Immobilienkaufmann verfügt er zusätzlich über Erfahrung in den Bereichen Verträge, Kosten, Finanzierung und wirtschaftliche Zusammenhänge. Bei Preis-King prüft und bewertet er unter anderem Aktionsbedingungen, Vergleichspreise, Versandkosten und mögliche Folgekosten.
Sein Ziel ist es, Informationen verständlich einzuordnen und Leser frühzeitig auf relevante Änderungen, Einschränkungen und mögliche Preisfallen hinzuweisen.

