Erfahrungsbericht mit gehackten Amazon Shops als Amazon Händler

Wie Ihr ja bereits wisst, verweisen wir auf unserem Blog fast täglich auf Amazon Fake-Shops (Gehackte Shops) sowie Fake-Shops im Internet. Es ist nicht nur für uns ein täglicher Kampf betrügerische Shops aufzudecken und davor zu warnen. Mit unter erreichen uns zahlreiche Emails mit neuen gehackten Accounts oder einfach auch mal ein “Danke”.

Diesmal erreichte uns eine Mail von Herr W.Brunner. Dies ist ein Erfahrungsbericht mit Amazon Fake-Shops als Händler. Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Brunner stellen wir diesen Erfahrungsbericht nun vor. Wir möchten hier nochmals darauf eingehen: 

  • Prüft “Schnäppchen” gewissenhaft
  • Schaut auch bei Amazon in das Händler Impressum

Auch möchten wir euch darauf hinweisen: Die eigentlichen Eigentümer der Amazon Shops sind im Falle der übernahmen Ihrer Shops durch Hacker oft machtlos, wie dieser Bericht nun zeigt.

FAKE-SHOP: Wie Amazon meine Frau in den Wahnsinn trieb und Kunden ins offene Messer laufen ließ 

„Anfangs voll Ehrgeiz und Zuversicht, fühlt sich K. zunehmend ohnmächtig angesichts der Undurchschaubarkeit des Systems“ Franz Kafka „Das Schloss“. 

Tag 1. Dienstag:

Es war der 21. April 2020 als für meine Frau eine Welt zusammenbrach. Meine Frau liest gerne, oder besser gesagt sie las gerne. Sie hatte sich bei Amazon ein Konto zugelegt über das sie Bücher kaufen, und wenn sie sie gelesen hatte, wieder verkaufen konnte. Als ehemalige Landesbankangestellte im Vorruhestand war sie sensibilisiert auf vertrauliche Daten und sie ist penibel korrekt.

Da sie eine umfangreiche Bibliothek besaß, hat sie den Account gewerblich betrieben und brav ihre Umsatzsteuer abgeführt. Frühmorgens an besagtem Tag, fing plötzlich ihr Handy an wie wild zu piepsen. Erst im Minutentakt dann immer schneller erhielt sie von Amazon Mails mit Bestellaufträgen für Artikel, die sie gar nicht im Angebot hatte. Sie fuhr den Computer hoch um sich in ihrem Account einzuloggen, mehrmals vergeblich.

Über Google fand sie ihr Amazon Schaufenster LESEART und fiel aus allen Wolken. Neben ihren Büchern waren weitere 300.000, teilweise hochwertige Produkte, zum günstigen Preis im Angebot. Im Schaufenster war eine Anweisung zum direkten Bestellen der Produkte über eine e-mail Adresse. Der Hinweis war gut sichtbar angebracht, darunter ihr Impressum mit Namen und Adresse, rechts davon ihre guten Bewertungen. Der Account wurde von Betrügern gehackt, wurde zum FAKE-SHOP.

Ein Wort, das sie noch nicht kannte und was es bedeutete, erfuhr sie nach und nach. Es begann ein nicht enden wollender Alptraum für sie, für mich und wahrscheinlich auch für unzählige Käufer, die Amazon vertrauten und nicht ahnten, dass sie, wenn sie hier bestellten, Betrügern auf den Leim gingen. Den Shop sofort schließen, aber wie? Sie sucht nach einer Amazon Notrufnummer für derartige Fälle – vergeblich. „Die müssen doch eine Task Force haben, wenn die Hütte brennt“, ruft sie mir zu. Sie ruft die Käuferhotline an, die einzige von Amazon angezeigte zugängliche Telefonnummer und schildert ihren Fall, will zu einer IT Abteilung verbunden werden, damit die den Shop „Bitteschön“ sofort schließen.

Die Dame bleibt stur, erklärt ihr, sie dürfe keine Nummern weitergeben, sie würde aber den Fall als dringend einstufen und melden. Sie versucht mehrmals über die „Passwort vergessen“ Funktion zu ihrem Account zu kommen, bekommt bei jedem Versuch einen Zahlencode gemailt, gibt ihn ein und scheitert. Es ist als würde Jemand im entscheidenden Moment einen Fuß in die Tür stellen um zu verhindern, dass sie an ihren Account kommt – sind es die Verbrecher? Währenddessen läuft der e-mail- und Telefonterror auf Hochtouren. Sie spricht mit den Telefonanrufern, sagt ihnen „Bestellt bitte nichts, sie bekommen weder die Ware noch ihr Geld zurück“.

Redet sie anfangs noch beruhigend auf die Anrufer ein, wird sie im Laufe der Zeit immer hektischer und ängstlicher, ihre Stimme zittert. Ich frage mich, was da noch kommen wird? Erschöpft legt sie sich spätabends hin und bittet mich alle Kontakte zur Außenwelt zu kappen, ich ziehe den Telefonstecker, fahre den Computer herunter und schalte ihr Handy auf stumm. 

Tag 2. Mittwoch:

Meine Frau wirkt eigenartig ruhig. Mit leiser Stimme erzählt sie mir, warum sie angegriffen wurde und wer dahintersteckt. Sie macht sich Notizen, malt Striche und eigenartige Zeichen auf ein weißes Blatt vor ihr. Schaut alles ziemlich wirr aus, die Geschichten dazu ebenso.Verschwörungs-Theoretiker hätten die größte Freude an ihren Erzählungen. Mir wird mulmig. Ich verlasse sie und gehe an meinen Computer, google „Fake-Shop“, will mehr wissen und stoße auf eine Reihe ähnlich lautender Leidensgeschichten von gehackten Händlern, die um ihre Existenz fürchteten und Amazon vergeblich um Unterstützung baten.

Eine Internetseite „Preis-King-Com“ meldet eine Reihe von gehackten Shops auf Amazon, der Shop meiner Frau „Leseart“ ist auch dabei.

Woher wissen die so schnell, was Amazon partout nicht zur Kenntnis nehmen will? Wir haben sie doch informiert! Steckt Amazon mit den Betrügern gar unter einer Decke, stellt sich schützend vor sie? Man kommt unwillkürlich auf komische Gedanken. Die Handlungen und Gedanken meiner Frau werden im Laufe des Tages immer wirrer. Wir schaffen es gemeinsam gerade noch bei ihrer Bank das bei Amazon hinterlegte Konto zu sperren.

Schaffen wir es auch noch zur Polizei um Anzeige zu erstatten? Ich rufe die nächste Polizeidienststelle an. Wegen Corona können wir nicht persönlich vorbeikommen, heißt es, wir sollen mit einem Onlineformular Anzeige erstatten.

Auf dem Formular gibt es das Delikt nicht, am nächsten kommt noch „Auktionen im Internet.“ Ich rufe wieder an. Sie sagen, mailen sie uns einen Bericht. Für Internetverbrecher muss Corona ein Segen sein. Immer mehr können nur noch online einkaufen, und viele von ihnen bestellen zum ersten Mal in ihrem Leben etwas im Internet. 

Tag 3. Donnerstag:

Ich bekomme eine Mail von einem Geschädigten. Er ist auf den Fake-Shop aufmerksam geworden. Er wünscht mir Glück, sein letzter Satz lässt mich aufhorchen: „Ein Vorgehen gegen ein Weltunternehmen ist leider unmöglich. Ich habe dabei leider meine eigene wirtschaftliche Existenz verloren.“ Meint er Amazon? IST DAS MEIN AMAZON, frage ich mich?

Auch ich habe seit über 19 Jahren einen Account auf Amazon und nie Probleme mit Amazon gehabt. Gehöre ich zu den Glücklichen, an denen der bittere Kelch vorüberging? Ich habe eine Idee. Ich trete über meinen Account an Amazon heran, eröffne einen Fall und maile ihnen die Geschichte des gehackten Shops meiner Frau. Schreibe, dass sie sich nicht mehr einloggen kann um von ihrem Account aus aktiv zu werden.

Die erste Rückmail klingt gut, „wir untersuchen dieses Problem derzeit. Sobald weitere Informationen vorliegen, werden wir Sie darüber informieren“, schreibt Sherine…El Atta. Die zweite Mail, zwei Stunden später, macht alles wieder zunichte: „Nach meiner Recherche konnte ich Ihnen feststellen, dass wir in diesem Fall keine Maßnahmen ergreifen können, da Sie uns nicht vom betroffenen Konto gesendet haben.“ schreibt Sherine… El Atta wieder.

Ja, verdammt noch mal, genau das ist das Problem, stehen die denn auf dem Schlauch?! Ich öffne den Fall erneut. Gleiche Antwort. Jetzt steige ich aus und schließe den Fall ab aus Sorge, sie schließen in ihrer roboterhaften Dämlichkeit noch meinen Account. Diese unfassbare Mauer der Gleichgültigkeit, des nicht Verstehen- und Helfenwollens, oder nicht Könnens, lässt mich unwillkürlich an die Geschichte von Herrn K. in Franz Kafkas Roman „Das Schloss“ denken, den ich in meiner Jugend gelesen habe, und den ich erst jetzt in seiner vollen Wucht begreife.

Ich bin Herr K., der vergeblich gegen ein anonymes System anrennt, um sein Anliegen vorzubringen. Ich überlege kurz, ob ich nicht eine Strafanzeige gegen Amazon wegen unterlassener Hilfeleistung und Duldung einer kriminellen Bande zum Schaden von meiner Frau und den Kunden, stellen soll? Ich denke an die Mail von heute Morgen und verfolge den Gedanken nicht weiter. 

Tag 4. Freitag:

Ich resigniere, will mit meiner Frau nicht über meine Erfolglosigkeit sprechen, um sie nicht noch mehr in die Depression zu treiben. Ich setze in meiner Verzeiflung einen Hilferuf ab und maile ihn an alle mir zur Verfügung stehenden Amazon e-mail Adressen mit der Bitte, das Schreiben an KOMPETENTE AMAZON MITARBEITER weiterzuleiten. Ich komme auf immer verrücktere Gedanken: Warum kaufe ich mir nicht eine Drohne und werfe Flugblätter über der Amazon Deutschland Zentrale in München ab. 

Ich beginne mich für die Machenschaften der Verbrecher zu interessieren. Gehe jetzt immer häufiger ans Telefon, das nach wie vor nicht aufhört permanent zu klingeln. Auf die unzähligen e-mails schau ich schon gar nicht mehr. Ich höre den Kunden am Telefon nun genau zu, frage, wie der Deal abgelaufen ist und wohin sie das Geld zu überweisen hatten. Einer nennt mir die Bank N26, eine Internetbank, den Kontoinhaber mit fremdländischem Namen und die Kontonummer.

Ich maile der Bank die Geschichte des betrogenen Käufers. Andere wollen mehr zum Produkt wissen. Ein Pool scheint der absolute Hit zu sein, sie fragen mich, wann der Pool geliefert wird? In Zeiten von Corona, wo einem das Reisen verboten wird, möchte man wenigsten im Garten Urlaubsfeelings haben.„Mein Mann hat das Loch im Garten für den Pool schon ausgebuddelt, ich traue mir es ihm gar nicht zu sagen, dass der Pool nicht geliefert wird, wo wir doch das Geld schon überwiesen haben“. so eine Anruferin. Ein Anderer erzählt mir, er hätte das Fundament für die Gartenlaube schon fertig und ob er mit der Lieferung zum angegebenen Termin rechnen könne. Wäre es nicht so ernst, müsste ich vor Lachen brüllen.

Die, die noch nicht bestellt haben und die ich vom Verkauf abhalten konnte sind unendlich dankbar und zugleich fassungslos über das Verhalten von Amazon, deren Techniker es am vierten Tag immer noch nicht geschafft haben, den Shop vom Netz zu nehmen. Wir bekommen weiter unzählige Mails von Amazon: Bestellbestätigungen, Produktnachfragen, Stornierungen. Die wesentliche Mail mit den Angaben zum Käufer – Adresse, Telefonnummer, e-mail Kontakt – geht an die Verbrecher, die anderen an uns. Wie ist das möglich?

Mit den wesentlichen Angaben zum Käufer treten die Verbrecher außerhalb Amazons an die Kunden heran. Einer, der den Betrügern so auf dem Leim ging, mailt mir den E-mail Verkehr mit den Betrügern, unterschrieben sind die Anweisungen, wie Liefertermin und Zahlungsweise, von einer Dame mit sehr deutschem Namen.

Dreist suggeriert sie dem Käufer, dass der Kauf über Amazon Payments abgewickelt werde, das Geld auf ein Amazon Konto gehe und der Kauf durch Amazon abgesichert sei. „Das ist eine sichere Transaktion für beide Partner“, beendet sie höhnisch ihre Schreiben 

Tag 5. Samstag:

Ich muss mich mehr um meine Frau kümmern. Ich erreiche sie kaum noch. Sie lebt mitterweile in ihrer eigenen Welt. Ich starte einen erneuten Versuch, Amazon auf das Problem aufmerksam zu machen und schicke einen Einschreibebrief an die Amazon Deutschland Zentrale in München, z.Hd. der Geschäftsleitung Herrn Ralf Kleber. Der Brief sollte Montag bei ihm sein. Bis dahin will ich Nichts mehr von der Sache wissen.

Sehr geehrter Herr Kleber, anbei zur Kenntnisnahme ein Schreiben, das mittlerweile als e-mail an unzählige Adressaten ging und eine Hilferuf ist. Am 21.April wurde der Account meiner Frau gehackt. Meine Frau liest gerne, hat über den Account vor allem Bücher gekauft und wiederverkauft. Als ehemalige Landesbankangestellte hat sie, obwohl die Beträge des Verkaufs klein waren, brav hierfür ihre Steuern bezahlt. Seit dem Hack auf ihr Konto erlebt sie einen beispiellosen e-mail und Telefonterror. Hilflos muss sie zusehen, wie Kunden von Betrügern in die Falle gelockt werden, weil Amazon unfähig oder nicht willens ist, den Account zu schließen. Sie hat mit allen Mitteln versucht IHRE Kunden zu warnen. Sie ist daran zerbrochen und ist mittlerweile in nervenärztlicher Behandlung. Werden Sie bitte Ihrer Verantwortung gerecht und beenden das kafkaeske Schauspiel, in dem Sie ihre Fachabteilung anweisen, den Account umgehend zu schließen.  Mit freundlichen Grüßen W. Brunner

Tag 7. Montag:

Sonntag war kein Tag zum Durchschnaufen, im Gegenteil. Ich bin am Ende mit meinen Kräften. Ich rufe eine Rechtsanwaltskanzlei für Internetrecht an. Sie müssen den Fall übernehmen. Ich gehe mit meiner Frau zum Nervenarzt, er gibt ihr eine Beruhigungspitze. Zusammen überlegen wir den nächsten Schritt. Ob Spritzen und Tabletten reichen oder ob sie vielleicht nicht doch besser in einer Klinik für psychisch Kranke aufgehoben wäre? Sie wischt über ihr Handy, ihr Lieblingsspielzeug, schaut Bilder an. Es sind die Bilder ihrer Enkelkinder, Zwillinge, ein Mädchen und ein Bub, zwei Jahre alt und unglaublich süß.

Ihre Augen werden feucht während sie lächelt. Ob sie sie bald wiedersehen kann und im welchem Zustand? Ein Bekannter mailt mir später, dass der Shop mit dem Impressum meiner Frau zwar noch vorhanden ist, die angebotenen 300.000 Produkte aber weg sind, auch die Bücher meiner Frau.

Der Hinweis der Betrüger, bei ihnen direkt zu bestellen ist ebenso verschwunden. Ein vergifteter Shop, bei dem wir von außen zuschauen konnten, wie Betrüger und Amazon sich eine Schlacht um die Oberhoheit liefern. Ein weiterer Shop, Kauftrend24, der ebenfalls von den gleichen Betrügern gehackt wurde und den ich immer im Auge hatte, war vor einigen Tagen frei von den Produkten der Kriminellen, jetzt ist er wieder mit 300.000 Produkten geflutet. Meine Frau kann das Wort AMAZON nicht mehr hören, sie will dass Amazon alle ihre zur Verfügung gestellten Daten löscht. Ich hoffe es gelingt mir mit einem Anwalt Amazon dazu zu bringen, die Daten zu löschen. 

Tag 8. Dienstag:

Vor einer Woche hat alles begonnen und ich drehe mich immer noch im Kreis. Ich wende mich persönlich mit einer e-mail an die Rechtsabteilung von Amazon. Die e-mail Adresse habe ich von der Anwaltskanzlei bekommen. Ich fordere sie auf alles zu unternehmen zum Schutz meiner Frau und der Kunden und liefere ihnen Daten und Hinweise über meine Frau, aber auch über die Kriminellen. 

Tag 9. Mittwoch:

Die Bestellorgie ist vorbei. Jetzt kommen immer mehr Mails und Anrufe von Käufern, die sich nach dem Verbleib der Ware erkundigen. Einige scheinen den „Braten“ gerochen zu haben und wollen schnell noch stornieren. Da wir keinen Zugriff auf den Account haben, können wir nicht stornieren. Käufer, die über die Käuferhotline stornieren wollten, sagte man, stornieren kann nur der Verkäufer, auch sie hätten keinen Zugriff auf das Konto des Verkäufers.

Der „Verkäufer“ sind die Betrüger und die haben keinerlei Interesse, weder am Stornieren noch am Verschicken der Ware, sie haben mit dem illegalen Abschöpfen der Kundendaten ihr Ziel erreicht. 

Tag 10. Donnerstag:

„Ich rufe Polizei“ mailt ein Geprellter frühmorgens. Wie soll da einem noch das Frühstück schmecken? „Gestern ist sogar der Erste vor meiner Türe gestanden. Ich wünsche gute Nerven und viel Kraft.“ mailte uns bereits am ersten Tag des Hacks eine ebenfalls gehackte Händlerin. Ich rufe sie an, will wissen, wie es ihr geht und wie bei ihr die Sache weiterging.

Sie ist eine Kämpfernatur, will mit allen Mitteln ihren mühsam aufgebauten Shop retten – meine Frau nicht. Die Händlerin hat eine weiteres Problem am Hals.

Vor zwei Tagen, sagt sie, wurden mit ihrer e-mail Adresse Phishing-Mails verschickt. Einer mailt ihr „Sie Judensau!“, sie ist geschockt, Freunde rufen an, fragen „bist du das?“ Nein, natürlich nicht, sagt sie. Der Spion sitzt in ihrem Netzwerk, denkt sie und macht mit Hilfe eines IT- Spezialisten ihren Computer und ihr Handy platt, setzt alles neu auf, kauft einen neuen Router. Ist meine Frau auf eine Phishing-Mail reingefallen? Wäre es ein Wunder, sie kommen täglich zuhauf. Ich muss an meine 89-jährige Schwiegermutter denken, die über Internet mit den Urenkel via Face Time telefoniert und auch sonst teilhaben will an der „Schönen Neuen Welt“. 

Nachmittags ein Anruf der Polizei, sie teilt mir das Aktenzeichen der Anzeige mit und gibt mir Tipps, wie wir uns zu verhalten haben. „Wenn wir Amazon frühzeitig Bescheid gesagt haben, ist Amazon in der Verantwortung“, sagt der Beamte. Ich glaube ihm nur zu gern. „Sollten Inkassofirmen an uns herantreten um Forderungen der Geprellten einzutreiben, dann sollen wir die Betrugsanzeige erwähnen“, sagt er. Ja, wir sind selbst Betrogene, sitzen mit den Geprellten in einem Boot. 

Tag 11. Freitag:

Die Internetseite „Preis-King-Com“ meldet weitere Zugänge an Fake-Shops auf der Amazon Plattform. Innerhalb weniger Tage ist die Zahl auf 21 angewachsen, die 

Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. „Die Ausmaße des Betrugs nehmen erschreckende Dimensionen an“ schreibt das „digital-magazin“ und fragt „warum Amazon den Betrügern keinen Einhalt gebieten kann oder will“. Gehackte Händler, die um ihre Shops, ihre Existenz, ihren Ruf fürchten und Tausende Kunden, die im Vertrauen auf die Plattform Amazon bei einem Fake-Shop bestellten und nun verunsichert und verärgert sind. Für Amazon scheinbar kein ernstzunehmendes Problem.

Käufer, die über Amazon die Produkte kauften sind durch die A-Z Garantie abgesichert, sagt Amazon. Die Geprellten, die außerhalb des Amazon Systems kauften, haben schlechte Karten und höchstwahrscheinlich ihr Geld verloren. Mit einer Umsatzsteigerung um das Zehnfache, wirbt Amazon seit Monaten um neue Händler um sie dann, wenn sie in die Bredouille geraten, im Regen stehen zu lassen. Mein Vertrauen in die Plattform AMAZON geht mittlerweile gen Null. 

Tag 12. Samstag:

Wann und wie wird die Sache zu Ende gehen? Ich finde auf Amazon keine Antwort. Erneut bei einer Hotline anzurufen, fehlt mir der Nerv. Warum schweigt Amazon, fürchtet Amazon einen Imageschaden wegen eines Problems, das die Spatzen längst schon von den Dächern pfeifen? Warum geht Amazon nicht in die Offensive, behandelt das Problem transparent, indem sie auf ihrer Eingangsseite auf die Fake-Shops auf ihrer Plattform aufmerksam machen? Die Kunden würden es ihnen danken und fern bleiben von den angeblich so günstigen Schnäppchen. Und warum stellt Amazon keine Task-Force Telefonnummer für Händler ins Netz um sofort zu handeln und den Schaden für alle Beteiligten so gering wie möglich zu halten?

Ich mache Amazon mitverantwortlich für den Nervenzusammenbruch meiner Frau. 

Gott sei Dank geht es ihr etwas besser, sie hat das Problem verdrängt, räumt die Wohnung auf, mistet aus und hofft bald wieder ihre Enkelkinder als lebenslustige Oma sehen zu können. Das Ausgemistete wollten wir eigentlich auf Ebay versteigern. Jetzt werden wir es verschenken oder beim nächsten Hinterhof Flohmarkt an den Mann/Frau bringen. Von dem Geld wollen wir eine Wallfahrt nach Altötting machen und der schwarzen Madonna, die weltbekannt für ihre Wunder ist, eine Kerze stiften. – Mister Jeff Bezos wird sich noch wundern! 

Copyright W. Brunner, 11.05.2020

Im Namen der Redaktion wünsche ich der Fam Brunner viel Kraft und alles erdenklich Gute! Vielen Dank für Ihren Bereicht. 

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