Der Fahrzeugschein gehört zu den Dokumenten, die Autofahrende bisher immer im Original mitführen mussten. Bei einer Kontrolle war er Pflicht – meist lag er im Handschuhfach, in der Mittelkonsole oder hinter der Sonnenblende. Doch wer den Schein zu Hause vergaß, musste bei einer Polizeikontrolle mit Erklärungsbedarf rechnen.
Das ändert sich jetzt: Mit der neuen i-Kfz-App des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) lässt sich die Zulassungsbescheinigung Teil 1, also der Fahrzeugschein, digital auf dem Smartphone speichern. Damit reicht künftig ein Handy-Nachweis bei Kontrollen aus. Die App steht kostenlos für Android ab Version 12 und iOS ab Version 17 zur Verfügung – und markiert einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur volldigitalen Fahrzeugverwaltung in Deutschland.
Die Einführung gilt als Meilenstein der Digitalisierung der Kfz-Verwaltung. Für viele Autofahrerinnen und Autofahrer bedeutet sie mehr Komfort im Alltag, weniger Papierkram und eine deutlich modernere Handhabung bei Fahrzeugkontrollen. Doch was kann die App wirklich – und was funktioniert noch nicht?

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Die wichtigsten Funktionen der i-Kfz-App
Die i-Kfz-App konzentriert sich in ihrer ersten Version auf eine zentrale Aufgabe: den digitalen Nachweis des Fahrzeugscheins.
Nach erfolgreicher Einrichtung gilt der digitale Fahrzeugschein bei Kontrollen innerhalb Deutschlands wie das Original. Das bedeutet: Das Papierdokument muss nicht mehr zwingend im Auto liegen. Der digitale Nachweis kann offline angezeigt werden – eine aktive Internetverbindung ist also nicht notwendig.
Darüber hinaus bietet die App praktische Zusatzfunktionen:
- Anzeige des nächsten HU-Termins (Hauptuntersuchung)
- Zugriff auf technische Fahrzeugdaten, darunter Fahrzeugklasse, Maße, Motorleistung oder Achslasten
- Individuelle Verwaltung: Fahrzeuge lassen sich in der App benennen, farblich kennzeichnen und mit Symbolen versehen – besonders praktisch für Nutzer mit mehreren Autos
Damit erfüllt die App gleich mehrere Anforderungen der modernen Mobilität: sie schafft Übersicht, reduziert Papieraufwand und ist im Alltag schnell griffbereit.
Noch kein digitaler Führerschein
Wichtig zu wissen: Ein digitaler Führerschein ist in der App derzeit noch nicht enthalten. Diese Funktion soll laut KBA erst zu einem späteren Zeitpunkt integriert werden. Der aktuelle Fokus liegt vollständig auf dem digitalen Fahrzeugschein.
Das ist zwar ein Schritt weniger Richtung volldigitaler Fahrzeugnachweise, aber der Grundstein ist gelegt. Perspektivisch soll die App laut dem Kraftfahrt-Bundesamt um weitere digitale Dokumente erweitert werden – etwa um den Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil 2) und den Führerschein.
Fahrzeugschein digital anlegen – so funktioniert’s
Der digitale Fahrzeugschein lässt sich in wenigen Minuten einrichten. Voraussetzung ist, dass das Fahrzeug auf die eigene Person zugelassen ist.
Benötigt werden:
- Personalausweis mit aktivierter Onlinefunktion (eID)
- NFC-fähiges Smartphone
- PIN des Ausweises
Die App führt Schritt für Schritt durch den Vorgang: Nach der Authentifizierung über den Personalausweis werden die Fahrzeugdaten automatisch abgerufen und der digitale Fahrzeugschein erstellt. Das Papierdokument muss dabei nicht eingescannt oder fotografiert werden.
Nach erfolgreicher Einrichtung erscheint der Fahrzeugschein im persönlichen Fahrzeugbereich der App. Nutzer können ihm anschließend einen individuellen Namen, eine Farbe und ein Symbol zuweisen – nützlich, wenn man mehrere Fahrzeuge verwaltet.
Digitalschein teilen – einfach per QR-Code oder Link
Ein besonders innovatives Feature ist das Teilen des digitalen Fahrzeugscheins. Wer etwa Familienmitgliedern, Freunden oder Mitarbeitenden Zugriff geben möchte, kann den Schein bequem weitergeben.
Dafür gibt es zwei Wege:
- QR-Code-Scan
- Versand eines Internetlinks
Die Freigabe funktioniert schnell und sicher – sie lässt sich sogar zeitlich begrenzen. Für das Teilen ist kurzzeitig eine Internetverbindung erforderlich.
Praktisch: Wer selbst kein NFC-fähiges Smartphone besitzt, kann den Schein auf einem anderen Gerät anlegen und anschließend über das Teilen-Feature übertragen. Einschränkung: Dieses Verfahren funktioniert nur, wenn der digitale Fahrzeugschein ursprünglich nicht auf demselben Weg empfangen wurde.
Alternative Wege zum digitalen Fahrzeugschein
Neben der Einrichtung über die App gibt es zwei weitere Möglichkeiten, den digitalen Fahrzeugschein zu erhalten:
- Über die Zulassungsstelle
Einige Behörden stellen bei der Fahrzeugzulassung einen QR-Code aus, mit dem sich der digitale Schein aktivieren lässt. Diese Funktion steht jedoch derzeit nur in einzelnen Regionen und bei Neuzulassungen zur Verfügung. - Über die Teilen-Funktion
Falls das eigene Gerät keine NFC-Funktion hat, lässt sich der Schein von einem anderen Smartphone per Link oder QR-Code übernehmen.
Mehrere Fahrzeugscheine können parallel in der App gespeichert werden – ideal für Haushalte mit mehreren Autos oder Dienstwagen.
Vorteile und Kritikpunkte im Überblick
Die Einführung des digitalen Fahrzeugscheins wird von vielen Seiten begrüßt.
Vorteile laut ADAC und GdP:
- Komfortgewinn: Das Smartphone genügt bei Kontrollen.
- Schnelle Verfügbarkeit: Kein Suchen nach Papierdokumenten mehr.
- Alltagstauglichkeit: Da das Handy meist griffbereit ist, sinkt das Risiko, den Fahrzeugschein zu vergessen.
- Verwaltungsentlastung: Behörden profitieren langfristig von weniger Papier und schnelleren Abläufen.
Kritische Stimmen gibt es jedoch ebenfalls:
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) weist darauf hin, dass nicht alle Polizeidienststellen bereits geschult sind, digitale Nachweise zu prüfen. Es fehle derzeit noch an einer einheitlichen technischen Lösung, um digitale Dokumente direkt in Echtzeit mit den KBA-Daten abzugleichen.
Auch das Thema IT-Sicherheit steht im Fokus. Kritiker fordern klare Schutzmechanismen gegen Manipulation und Hacking. Das KBA betont, dass die App höchsten Sicherheitsstandards folgt und keine sensiblen Personendaten dauerhaft speichert.
Empfehlung des Kraftfahrt-Bundesamts
Trotz der neuen Möglichkeiten rät das KBA, den Papier-Fahrzeugschein zunächst weiterhin im Fahrzeug aufzubewahren – zumindest, bis die Umstellung bundesweit etabliert ist und alle Kontrollbehörden entsprechend geschult sind.
Für Auslandsreisen bleibt der klassische Fahrzeugschein ohnehin Pflicht, da die digitale Variante bislang nur in Deutschland gültig ist.
Fazit: Praktisch, sicher und ein wichtiger Schritt zur digitalen Mobilität
Mit der neuen i-Kfz-App beginnt in Deutschland das digitale Zeitalter für Fahrzeugdokumente. Autofahrende können ihren Fahrzeugschein erstmals offiziell digital vorzeigen – sicher, einfach und direkt über das Smartphone.
Der Nutzen im Alltag ist klar: keine Papierberge, kein Suchen im Handschuhfach, kein Risiko mehr, das Dokument zu vergessen. Gleichzeitig bietet die App Transparenz über Fahrzeugdaten und Wartungstermine – ein echtes Plus für alle, die Wert auf Organisation und Übersicht legen.
Zwar fehlen aktuell noch Funktionen wie der digitale Führerschein oder die Einbindung weiterer Nachweise, doch der Grundstein für eine volldigitale Fahrzeugverwaltung ist gelegt.
Wer die App bereits nutzt, profitiert vom Komfort und kann zugleich dazu beitragen, dass die neue Lösung sich flächendeckend etabliert. Wichtig bleibt: Für Fahrten außerhalb Deutschlands sollte der klassische Fahrzeugschein weiterhin im Auto bleiben.
Unterm Strich zeigt die i-Kfz-App, dass Verwaltung und Alltag immer digitaler werden – und der Papier-Fahrzeugschein bald Geschichte sein könnte.


